Ein dramatischer Notruf hielt am Freitagabend die Wiener Einsatzkräfte in Atem. Ein 17-jähriger Jugendlicher löste mit der Behauptung, seinen Vater getötet zu haben, eine großangelegte Fahndung aus. Der Vorfall entpuppte sich schließlich als psychische Ausnahmesituation, die glücklicherweise ohne Blutvergießen endete.
Schock-Anruf am Julius-Tandler-Platz
Gegen 20:30 Uhr ging in der Polizeiinspektion am Julius-Tandler-Platz in Wien-Alsergrund ein Anruf ein, der die Beamten sofort in höchste Alarmbereitschaft versetzte. Ein hörbar aufgelöster junger Mann behauptete am Telefon, er habe sich eine Schusswaffe beschafft und damit seinen eigenen Vater getötet. Doch bei dieser Schilderung blieb es nicht: Der Anrufer drohte zudem massiv damit, auch seine Mutter sowie jeden Polizeibeamten zu erschießen, der versuchen würde, ihn zu stellen.
Rätselhaftes Telefonat und Fahndung
Nachdem der Anrufer das Gespräch abrupt beendet hatte, versuchten die Beamten umgehend einen Rückruf. Am anderen Ende der Leitung zeigte sich der 17-jährige Österreicher plötzlich wie ausgewechselt. Er wirkte völlig gefasst und bestritt vehement, zuvor überhaupt mit der Polizei telefoniert zu haben. Aufgrund der unklaren Gefahrenlage leitete die Landespolizeidirektion Wien sofort eine umfassende Fahndung ein, an der zahlreiche Einheiten beteiligt waren. In seiner betreuten Wohneinrichtung konnte der Jugendliche zunächst nicht angetroffen werden.
Zugriff in der Felberstraße
Die Suche konzentrierte sich schließlich auf den Bereich rund um den Westbahnhof. Gegen 22:00 Uhr gelang Beamten der Bereitschaftseinheit Wien der entscheidende Zugriff. Der Verdächtige wurde auf der Felberstraße im 15. Bezirk angehalten und vorläufig festgenommen. Zeitgleich eilten Polizeikräfte zur Wohnadresse seiner Eltern, um nach dem Rechten zu sehen. Dort folgte die Erleichterung: Die Pflegeeltern des Jugendlichen wurden wohlauf angetroffen, von einem Gewaltverbrechen fehlte jede Spur.
Psychische Erkrankung als Hintergrund
Bei der anschließenden Einvernahme zeigte sich der 17-Jährige erneut unkooperativ und gab an, sich an den besagten Notruf „nicht erinnern“ zu können. Licht ins Dunkel brachte schließlich eine Betreuerin des jungen Mannes. Sie informierte die Ermittler darüber, dass der Jugendliche bereits seit längerer Zeit an einer psychischen Erkrankung leidet. Dies dürfte auch die Ursache für den Realitätsverlust und die gefährlichen Drohungen gewesen sein.
Anzeige auf freiem Fuß
Trotz des glimpflichen Ausgangs hat der Vorfall juristische Konsequenzen. Gegen den 17-Jährigen wurde ein Betretungs- und Annäherungsverbot zum Schutz der Eltern sowie ein vorläufiges Waffenverbot ausgesprochen. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Wien erfolgt eine Anzeige auf freiem Fuß. Der Großeinsatz verdeutlicht einmal mehr die Herausforderungen für die Exekutive im Umgang mit psychischen Krisenfällen im urbanen Raum.
Der Vorfall am Freitagabend zeigt die schmale Gratwanderung zwischen einer ernsthaften Bedrohung und einer medizinischen Notsituation. Dank des schnellen und koordinierten Vorgehens der Wiener Polizei konnte die Situation ohne Verletzte geklärt werden, während der Jugendliche nun der notwendigen rechtlichen und hoffentlich auch medizinischen Aufarbeitung entgegensieht.
Quelle „heute.at“
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