Die politische Landschaft in Österreich bebt. Was vor zwei Jahren noch wie ein gewagtes Gedankenexperiment klang, ist heute die Realität einer krisengebeutelten Ampel-Koalition. Die Regierung unter Bundeskanzler Christian Stocker verliert massiv an Rückhalt, während die Freiheitlichen unter Herbert Kickl Werte erreichen, die die Statik des parlamentarischen Gefüges verändern könnten.
Blaue Dominanz bricht Rekorde

Der aktuelle APA-Wahltrend zeichnet ein düsteres Bild für die etablierten Kräfte. Die FPÖ setzt ihren Siegeszug ungebremst fort und nähert sich mit 37,4 Prozent ihrem historischen Allzeithoch aus dem vergangenen Januar an. Die Schlagkraft dieser Zahl wird erst im direkten Vergleich deutlich: Herbert Kickl vereint mittlerweile mehr Wählerstimmen hinter sich als die ehemaligen Volksparteien ÖVP und SPÖ zusammen. Ein politisches Erdbeben, das vor allem auf dem anhaltenden Teuerungsdebakel fußt, aus dem die Freiheitlichen massiv Kapital schlagen.

Ampel verliert Mehrheit

Für die amtierende Koalition ist die Lage prekär. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) und SPÖ-Chef Andreas Babler führen gemeinsam mit den Neos ein Bündnis, das bei der letzten Wahl noch komfortable 56,5 Prozent der Stimmen auf sich vereinte. Davon ist heute wenig übrig. Das aktuelle Barometer weist für die drei Regierungsparteien nur noch einen Wert von 46,5 Prozent aus. Damit hätte die „Ampel“ ihre parlamentarische Mehrheit zum jetzigen Zeitpunkt deutlich verloren. Die Unzufriedenheit der Bürger mit der wirtschaftlichen Lage scheint die Koalitionsräder zu lähmen.

Zweikampf um Platz zwei

Hinter der dominierenden FPÖ findet ein regelrechtes Schneckenrennen statt. Die ÖVP von Kanzler Stocker liegt mit 18,9 Prozent nur noch hauchdünn vor der SPÖ. Andreas Babler kommt mit seinen Sozialdemokraten auf 18,0 Prozent. Beide Parteien kämpfen sichtlich damit, in der Regierung ein eigenständiges Profil zu schärfen, ohne dabei den Partner zu brüskieren – eine Gratwanderung, die das Wählervertrauen bisher nicht zurückgewinnen konnte.

Gewessler zieht an Neos vorbei

Interessante Verschiebungen zeigen sich am Rande der großen Blöcke. Während die Neos als dritter Regierungspartner mit 9,6 Prozent leicht Federn lassen mussten, gibt es bei den Grünen Grund zur Freude. Leonore Gewessler punktet mit einem harten Oppositionskurs und katapultiert ihre Partei auf 10,9 Prozent. Damit haben die Grünen die Neos im Kampf um Platz vier wieder deutlich überholt. Für die KPÖ bleibt das Parlament indes in weiter Ferne; sie stagniert bei 2,8 Prozent und würde den Einzug damit klar verpassen.

Österreich steht vor einer Zerreißprobe. Die enorme Dynamik der FPÖ zeigt, dass die Themen Teuerung und soziale Sicherheit die Wähler derzeit mehr bewegen als die Versprechen der amtierenden Bundesregierung. Sollte sich dieser Trend verfestigen, steht das Modell der aktuellen Dreierkoalition vor dem Scheitern, noch bevor die Legislaturperiode ihr reguläres Ende findet.

Quelle „heute.at“

AustriaAktuell: Nachrichten aus dem Herzen der Republik.

Von admin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert