Die österreichische Bundesregierung macht Ernst im Kampf gegen den Amtsschimmel. Wie Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) am Montag bekannt gab, startet nun die erste Etappe eines umfassenden Entbürokratisierungspakets. Das Ziel ist klar: Die heimische Wirtschaft von unnötigen Fesseln zu befreien und Verfahren massiv zu beschleunigen.
Enorme Kosten durch Papierkram

Die Zahlen hinter der Initiative sind alarmierend. Aktuell verursacht die Bürokratie in Österreich jährlich Kosten in der Höhe von rund 15 Milliarden Euro. Eine aktuelle Erhebung zeigt, dass sich 86 Prozent der Unternehmen belastet fühlen, mehr als die Hälfte davon sogar massiv. Im Durchschnitt verbringt ein Betrieb 13 Stunden pro Woche mit reinem Papierkram – Zeit, die für Innovationen und das Kerngeschäft fehlt.

Schluss mit der Zettelwirtschaft

Ein zentrales Element der Reform ist die Vereinfachung der Genehmigungsverfahren. Bisher mussten Unternehmer oft zwischen verschiedenen Behörden hin- und herpendeln, was Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer als „Behörden-Ping-Pong“ bezeichnet. Künftig soll die Devise gelten: Ein Antrag, ein Verfahren, ein Bescheid. Durch diese Bündelung der Zuständigkeiten werden widersprüchliche Auflagen vermieden und die Rechtsklarheit deutlich erhöht.

Erleichterungen für grüne Energie

Konkrete Verbesserungen gibt es vor allem im Bereich der Nachhaltigkeit. Photovoltaik-Anlagen und E-Ladestationen sollen künftig komplett genehmigungsfrei gestellt werden. Das gleiche gilt für den nachträglichen Einbau von Außenaggregaten bei Lüftungs- und Klimaanlagen. Zudem wird das Erlöschen bestehender Genehmigungen bei Nichtbetrieb von fünf auf sieben Jahre verlängert, mit einer optionalen Ausdehnung auf bis zu zehn Jahre.

Digitalisierung spart tausende Wege

Auch im Bereich der Dokumentation setzt das Ministerium auf Fortschritt. Prüfunterlagen, beispielsweise für Gas- oder Elektroprüfungen, können künftig digital übermittelt werden. Laut Berechnungen der Regierung fallen dadurch jährlich etwa 5.000 unnötige Kontrollwege weg. Ein weiterer wichtiger Schritt zur Internationalisierung: Englische Unterlagen werden künftig offiziell akzeptiert, was den zeitaufwendigen und teuren Umweg über Übersetzungen erspart.

Fokus auf Familienbetriebe

Um die Übergabe von Betrieben an die nächste Generation zu sichern, wird die sogenannte „Grace Period“ von drei auf fünf Jahre verlängert. Diese Schonfrist bietet Erleichterungen im Gewerbe-, Steuer- und Arbeitnehmerschutzrecht. Von dieser Maßnahme profitieren jährlich schätzungsweise 3.000 Familienbetriebe in ganz Österreich.

Hattmannsdorfer macht Tempo

Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer betont die Dringlichkeit der Reform. Die Gewerbeordnung bilde dabei das Herzstück, um Österreich schneller, einfacher und digitaler zu machen. Der fertige Gesetzestext geht nun unmittelbar in die Begutachtungsphase, um die Entlastung so rasch wie möglich auf Schiene zu bringen.

Das vorgestellte Paket ist ein längst fälliger Befreiungsschlag für den Wirtschaftsstandort Österreich. Durch die Bündelung von Verfahren, die Digitalisierung von Nachweisen und die Erleichterungen bei Betriebsübergaben werden exakt jene Schmerzpunkte adressiert, die Unternehmer seit Jahren beklagen. Wenn die Umsetzung so zügig erfolgt wie angekündigt, gewinnt die heimische Wirtschaft nicht nur Zeit, sondern auch an internationaler Wettbewerbsfähigkeit zurück.

Quelle „heute.at“

Österreich startet durch – weniger Akten, mehr Chancen.

Von admin

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