Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat das Jahr 2026 mit einer außergewöhnlich deutlichen Neujahrsansprache eingeläutet.

In der Wiener Hofburg fand das Staatsoberhaupt klare Worte zur aktuellen Weltlage und zeichnete ein Bild der Dringlichkeit, das weit über die üblichen Neujahrsfloskeln hinausgeht. Unter dem zentralen Leitmotiv „Die Zeiten ändern sich“ mahnte er, dass die Sicherheit und Stabilität der vergangenen Jahrzehnte keine Selbstverständlichkeit mehr seien.

Die Rückkehr der Bedrohung

Van der Bellen konfrontierte die Österreicher direkt mit der veränderten geografischen Realität. Er zog einen plastischen Vergleich zum Ukraine-Krieg, der im Osten Europas tobe – eine Distanz, die nicht weiter sei als jene vom Bodensee zum Neusiedlersee. Doch nicht nur der konventionelle Krieg bereite Sorgen. Der Bundespräsident verwies auf Drohnensichtungen über europäischen Metropolen, digitale Sabotageakte und gesteuerte Desinformation. Diese hybriden Bedrohungen zielten darauf ab, das Vertrauen in die Demokratie zu untergraben und den Kontinent zu spalten.

Bruch mit alten Verbündeten

Besonders hellhörig machten die Passagen über die transatlantischen Beziehungen. Van der Bellen fand deutliche Worte für die Politik von US-Präsident Donald Trump. Er konstatierte, dass Freunde im Westen unberechenbar geworden seien und die neue US-Sicherheitsdoktrin Europa herabwürdige. Sogar von Bestrebungen, integrale Staaten wie Österreich aus der Union „herauszulösen“, sei die Rede. Diesem Versuch der imperialen Einflussnahme von außen erteilte das Staatsoberhaupt eine klare Absage.

Plädoyer für Eigenständigkeit

Als Konsequenz aus der globalen Unsicherheit forderte der Bundespräsident eine massive Stärkung der europäischen Souveränität. Europa müsse in den Bereichen Energie, Digitalisierung und Sicherheit unabhängig von der Willkür fremder Regierungen werden. Van der Bellen betonte, dass die EU mit über 450 Millionen Menschen eine der größten Volkswirtschaften der Welt sei. Diese Verhandlungsmacht müsse entschlossener genutzt werden. Er rief dazu auf, einen „Europa-Patriotismus“ zu entwickeln, um sich gegen die Dominanzansprüche anderer Großmächte zu behaupten.

Reformen und österreichische Tugenden

Den Bogen zurück zur Innenpolitik spannend, mahnte Van der Bellen notwendige Reformen in Österreich an. Er appellierte an die politische Kultur und forderte mehr Demut von allen Beteiligten. Niemand sei allein im Besitz der Wahrheit. Es gelte, vom „hohen Ross“ abzusteigen und den Kompromiss wieder als wertvolles österreichisches Kulturgut zu begreifen. Nur durch Zusammenarbeit könne man den Herausforderungen der Klimakrise und der Infragestellung von Grund- und Freiheitsrechten begegnen.

Die Rede des Bundespräsidenten für das Jahr 2026 war kein bloßer Rückblick, sondern ein weckender Alarmruf zur geopolitischen Selbstbehauptung. Van der Bellen positioniert Österreich klar als untrennbaren Teil eines starken, geeinten Europas, das sich weder von Osten noch von Westen einschüchtern lassen darf. Sein Aufruf zum Europa-Patriotismus markiert einen Wendepunkt in der rhetorischen Verteidigung der europäischen Idee.

Quelle „heute.at“

Gemeinsam mutig in die neue Zeit.

Von admin

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