In der oberösterreichischen Industriestadt Mattighofen gibt es nach den schwierigen wirtschaftlichen Monaten beim Motorradbauer KTM einen entscheidenden Lichtblick.
Die Europäische Kommission hat offiziell vorgeschlagen, finanzielle Mittel aus dem Europäischen Fonds für die Anpassung an die Globalisierung (EGF) bereitzustellen. Ziel ist es, den Betroffenen nach dem massiven Stellenabbau eine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt zu geben.
Brüssel mobilisiert Millionen für Oberösterreich
Der Vorschlag der Kommission sieht vor, insgesamt 836 entlassene Arbeitnehmer in Österreich und Belgien zu unterstützen. Ein signifikanter Teil dieser Hilfe ist direkt für die ehemaligen Beschäftigten der KTM AG reserviert. Nachdem das Unternehmen im Jahr 2024 erhebliche Verluste verzeichnete und die Produktion drastisch reduzierte, soll das Geld nun den Weg zurück in die Erwerbstätigkeit ebnen. Die geschätzten Gesamtkosten für das österreichische Maßnahmenpaket belaufen sich auf rund 3 Millionen Euro.
Finanzierung durch Kommission und AMS
Die Finanzierung der Hilfsmaßnahmen basiert auf einer Kooperation zwischen Brüssel und Wien. Die Europäische Kommission übernimmt 60 Prozent der Kosten, was einer Summe von 1,8 Millionen Euro entspricht. Die restlichen 40 Prozent, also 1,2 Millionen Euro, werden durch das Arbeitsmarktservice (AMS) beigesteuert. Da die österreichischen Behörden bereits im März 2025 mit ersten Unterstützungsleistungen begonnen haben, können diese Kosten durch den EGF rückwirkend gedeckt werden.
Konkrete Maßnahmen zur Wiedereingliederung
Die Unterstützung ist kein bloßer Almosen, sondern ein gezieltes Investitionsprogramm in die Köpfe der 420 betroffenen KTM-Mitarbeiter. Das Paket umfasst folgende Schwerpunkte:
- Individuelle Berufsberatung und Coaching
- Gezielte Unterstützung bei der aktiven Arbeitssuche
- Weiterbildung und Umschulungen für neue technische Kompetenzen
- Ausbildungsbeihilfen während der Qualifizierungsphasen
Hohe Erfolgsquote durch den Globalisierungsfonds
Der EGF hat sich seit seiner Gründung im Jahr 2007 als effektives Instrument erwiesen. In bisher 186 Einsatzfällen wurden insgesamt 727 Millionen Euro ausgeschüttet, von denen rund 181.000 Menschen profitierten. Die Statistik spricht dabei für sich: Studien belegen, dass etwa 81 Prozent der geförderten Personen innerhalb von 18 Monaten eine neue Anstellung finden konnten.
Parlamentarische Hürden und Ausblick
Bevor die Gelder final fließen können, müssen das Europäische Parlament und der Rat dem Vorschlag zustimmen. Erforderlich ist eine einfache Mehrheit im Parlament sowie eine qualifizierte Mehrheit im Rat. Angesichts der Dringlichkeit und der bisherigen Praxis gilt die Zustimmung jedoch als wahrscheinlich, womit die soziale Absicherung der Region Mattighofen gestärkt wird.
Die EU-Förderung für die ehemaligen KTM-Mitarbeiter ist ein notwendiges Signal der Solidarität. Durch die Kombination aus finanzieller Hilfe und gezielter Umschulung wird der Strukturwandel in der Region abgefedert und den Betroffenen eine reale Chance auf einen beruflichen Neuanfang ermöglicht.
Quelle „heute.at“
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