Die Preise für Öl und Gas steigen unaufhörlich weiter, und Österreich steuert mitten auf die schwerste Energiekrise seit Jahrzehnten zu.
Die Auswirkungen bekommen die heimischen Autofahrer bereits täglich an den Zapfsäulen zu spüren. Während der Liter Diesel die Marke von zwei Euro längst überschritten hat, warnt Energie-Experte Johannes Benigni nun vor einer noch drastischeren Entwicklung: Ein Spritpreis von drei Euro pro Liter sei in naher Zukunft durchaus im Bereich des Möglichen.
Hitzige Debatte im ORF
Diese düstere Prognose sorgte auch am Sonntag in der ORF-Sendung „Das Gespräch“ für heftige Diskussionen. Moderatorin Susanne Schnabl konfrontierte Vertreter der Regierungs- und Oppositionsparteien mit den Sorgen der Bevölkerung und hinterfragte die aktuellen Konzepte zur Abfederung der Teuerungswelle.
VP setzt auf Anpassung
ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti bemühte sich in der Sendung sichtlich, die Wogen zu glätten. Er verwies auf die Regierungspläne und das darin verankerte monatliche Monitoring der Spritpreisbremse. Sollten die Preise weiter massiv steigen, könne die Entlastung für den Folgemonat um mehr als fünf Cent angehoben werden. Man werde die Situation laufend beobachten und das Modell bei Bedarf jeden Monat neu adjustieren, so Marchetti.
CO2-Steuer bleibt Thema
Auf die konkrete Nachfrage, ob die Entlastung durch die Spritpreisbremse von derzeit zehn Cent auf 30 oder gar 40 Cent ausgeweitet werden könnte, hielt sich der VP-Politiker eine Hintertür offen. Wenn die Preise drastisch steigen, müsse auch die Senkung entsprechend mitwachsen, um die Haushalte zu entlasten und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der Europäischen Union nicht zu gefährden. Einer gleichzeitigen Abschaffung der CO2-Steuer erteilte Marchetti jedoch eine Absage, da dies schlichtweg nicht der aktuellen Beschlusslage entspreche.
Grüne Kritik an Ölmultis
Deutliche Skepsis kam von den eigenen Koalitionspartnern. Die grüne Vize-Klubchefin Sigrid Maurer betonte im Studio, dass man durchaus erhebliche Zweifel an den aktuellen Plänen hege. Die Grünen hätten der Spritpreisbremse dennoch zähneknirschend zugestimmt, da man nicht tatenlos zusehen könne, wie sich die großen Ölmultis in der Krise „dumm und deppert“ verdienen. Als nachhaltige Lösung forderte Maurer jedoch einen deutlich forcierteren Ausbau der heimischen erneuerbaren Energien.
FPÖ fordert Steuersenkung
Scharfe Kritik an der Regierungsarbeit kam von der Opposition. FPÖ-Politiker Paul Hammerl warnte davor, dass ein staatlicher Preisdeckel die physische Verfügbarkeit von Öl gefährden könnte. Er forderte stattdessen eine sofortige Halbierung der Mineralölsteuer sowie die komplette Streichung der CO2-Steuer. Laut seinen Berechnungen würde dies den Benzinpreis sofort um 44 Cent und den Dieselpreis um 40 Cent senken. Hammerl untermauerte seine Forderung mit dem bekannten Sprichwort: „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not.“
Die Angst vor dem 3-Euro-Sprit sitzt tief und die Politik ringt händeringend um die richtigen Hebel. Während die ÖVP auf ein flexibles, monatlich angepasstes Deckelmodell vertraut, drängen die Grünen auf den langfristigen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. Die FPÖ wiederum sieht das Allheilmittel in sofortigen, drastischen Steuersenkungen an der Zapfsäule. Welcher Weg die Österreicher tatsächlich vor dem drohenden Sprit-Wahnsinn bewahrt, werden die kommenden Wochen zeigen.
Quelle „heute.at“
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