MichaelM/ Pixabay
Am Dienstag präsentierte die Oesterreichische Nationalbank, kurz OeNB, ihren mit Spannung erwarteten Geschäftsbericht für das Jahr 2025.

Das Zahlenwerk offenbart eine paradoxe Situation in der heimischen Finanzwelt: Während die privaten Geschäftsbanken durch die Zinspolitik Milliarden scheffeln, schreibt die Nationalbank das vierte Jahr in Folge tiefrote Zahlen. Eine aktuelle Analyse des Momentum Instituts belegt nun diese alarmierende Schieflage und fordert politische Konsequenzen.

Milliardenregen ohne Risiko

Ein beachtlicher Teil der enormen Bankengewinne entsteht derzeit völlig ohne Risiko und ohne nennenswerten Aufwand für die Institute. Die Europäische Zentralbank hob seit Mitte 2022 den Einlagenzins massiv an. Zwischenzeitlich kletterte dieser auf 4 Prozent und liegt aktuell bei 2 Prozent. Wer als Geschäftsbank Geld bei der Zentralbank parkt, kassiert seither kräftig ab.

Diese Praxis gleicht einer gigantischen Subventionierung. Im vergangenen Jahr 2025 spülte dieser Mechanismus den heimischen Banken satte 1,7 Milliarden Euro an zusätzlichen Zinserträgen in die Kassen. Ein Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt noch dramatischere Dimensionen: Im Jahr 2024 betrug diese Zins-Subvention 3,3 Milliarden Euro und 2023 sogar rekordverdächtige 3,5 Milliarden Euro. Im Jahr 2022 lag der Wert noch bei bescheidenen 0,4 Milliarden Euro, während es bis 2021 überhaupt keine solchen Zahlungen gab.

Steuerzahler tragen die Zeche

Die Zeche für dieses System zahlen letztlich die österreichischen Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Da die Nationalbank durch die immensen Zinszahlungen an die Geschäftsbanken massiv ins Minus rutscht, bleibt der Staatssitzungssaal leer. Für das Geschäftsjahr 2025 gibt es zum vierten Mal in Folge keinerlei Dividenden-Ausschüttung der OeNB an die Republik Österreich.

Dieses Geld fehlt nun schmerzhaft im ohnehin stark strapazierten Bundesbudget. Jeder Euro, den die Banken risikofrei als Zinsertrag von der Nationalbank einstreichen, muss an anderer Stelle durch harte Sparmaßnahmen der Regierung wieder eingespart werden. Die Krisengewinne der Finanzinstitute gehen somit direkt zulasten der privaten Haushalte im Land.

Kontrast der nackten Zahlen

Die Zahlen des Momentum Instituts verdeutlichen die Schere zwischen den Akteuren eindrucksvoll. Allein in den ersten drei Quartalen des Jahres 2025 erwirtschafteten die österreichischen Geschäftsbanken einen Gewinn von 8,2 Milliarden Euro. Dem steht ein operatives Minus der Oesterreichischen Nationalbank von rund 1,4 Milliarden Euro im selben Jahr gegenüber.

Historisch betrachtet bewegten sich die Gewinne der Geschäftsbanken zwischen 2015 und 2021 in einem Bereich von 3,7 bis 6,9 Milliarden Euro. Mit der Zinswende zur Inflationsbekämpfung explodierten die Erträge förmlich: 9,8 Milliarden Euro im Jahr 2022 und unfassbare 12,6 Milliarden Euro im Jahr 2023. Auch 2024 blieb der Profit mit 10,8 Milliarden Euro auf einem extrem hohen Niveau.

Nationalbank im Dauerdefizit

Spiegelbildlich zu den Bankenerfolgen verhält sich das Jahresergebnis der OeNB. Bereits 2022 wies die Nationalbank einen operativen Verlust von 1,9 Milliarden Euro aus, der damals nur durch das Auflösen von eisernen Rückstellungen bilanziell kaschiert werden konnte. Im Jahr 2023 folgte mit einem Minus von 2,3 Milliarden Euro der erste echte Bilanzverlust und der Stopp der Zahlungen an den Staat. Nach einem Verlust von 2,2 Milliarden Euro im Jahr 2024 setzt sich die Negativserie nun mit 1,4 Milliarden Euro Verlust für 2025 fort.

Auch der langfristige Trend zeigt nach unten. Während die Republik Österreich im Jahr 2011 noch rund 0,7 Milliarden Euro aus Steuern und Dividenden der Nationalbank erhielt, flossen 2021 nur noch schmale 100 Millionen Euro in die Staatskasse. Nun herrscht seit Jahren komplette Ebbe.

Kritik an lascher Bankenabgabe

Das Momentum Institut spart angesichts dieser Daten nicht mit Kritik an der heimischen Politik. Die im Jahr 2025 beschlossene Erhöhung der Bankenabgabe sei viel zu zaghaft ausgefallen und zudem mit einem Ablaufdatum versehen worden. Sollte die Bundesregierung die Sonderabgabe im nächsten Jahr wie geplant auslaufen lassen, sinkt das Aufkommen der Bankenabgabe wieder um 300 Millionen Euro.

Angesichts der Milliarden, die die Banken regelmäßig und ohne Gegenleistung von der Nationalbank überwiesen bekommen, bleibt die aktuelle Abgabe ein Tropfen auf den heißen Stein. Das Institut fordert daher lautstark eine drastische Erhöhung der Bankenabgabe um ein Vielfaches, um die leistungslosen Zinszahlungen der Nationalbank gänzlich abzuschöpfen und das Staatsbudget zu entlasten.

Die Bilanzpräsentation der Oesterreichischen Nationalbank für das Jahr 2025 deckt eine krasse Fehlentwicklung im Finanzsystem auf. Während Geschäftsbanken dank der EZB-Zinswende historische Milliardenüberschüsse ganz ohne eigenes Risiko einfahren, blutet die heimische Nationalbank finanziell aus. Weil dadurch wichtige Dividenden für den Staatshaushalt ausbleiben, zahlt am Ende die Bevölkerung über Sparpakete die Zeche für die privaten Bankengewinne. Die Forderung nach einer echten, substanziellen Bankenabgabe zur Abschöpfung dieser Übergewinne wird vor diesem Hintergrund unüberhörbar.

Quelle „momentum-institut.at“

Österreichs Finanzen im Fokus – Zahlen, die bewegen.

Von admin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert