In der niederösterreichischen Landespolitik herrscht derzeit Hochspannung. Nachdem Ulrike Königsberger-Ludwig überraschend ihre Gegenkandidatur für den Vorsitz der SPÖ Niederösterreich angekündigt hat, bricht nun der amtierende Parteichef Sven Hergovich sein Schweigen.
In einem Schreiben an die Mitglieder des Landesparteivorstandes findet er deutliche Worte für die aktuelle Dynamik innerhalb seiner Bewegung.
Kritik an der Kommunikation über Medien
Hergovich spart nicht mit Kritik an der Art und Weise, wie die Konfrontation eingeleitet wurde. Dass er von der Gegenkandidatur seiner Parteikollegin zuerst aus der Presse erfahren musste, empfindet er als schweren Vertrauensbruch. Zwar betont er, dass jedes Mitglied das Recht auf eine Kandidatur habe, doch die Umgehung der parteiinternen Gremien sieht er als den falschen Weg an. Er plädiert stattdessen für eine Klärung hinter verschlossenen Türen, die von Transparenz und freundschaftlichem Umgang geprägt sein sollte.
Vorwurf der Hinterrückstelefonate
Besonders scharf formuliert der Landesparteivorsitzende seine Abneigung gegen öffentliche Debatten über interne Machtfragen. Sven Hergovich warnt davor, dass sogenannte Hinterrückstelefonate und mediale Inszenierungen die Schlagkraft der SPNÖ schwächen könnten. In Zeiten großer Herausforderungen forderte er Geschlossenheit und gegenseitigen Respekt ein. Die Partei dürfe sich nicht durch interne Grabenkämpfe selbst im Weg stehen, wenn das große Ziel die politische Neugestaltung des Landes sei.
Fokus auf das Ziel 2028
Trotz des Gegenwinds gibt sich Hergovich kämpferisch und hält an seinem Kurs fest. Er stellt klar, dass seine erneute Kandidatur nicht aus persönlichem Ehrgeiz erfolge, sondern aus einer tiefen Verantwortung gegenüber der Partei und dem Land. Sein erklärtes Ziel bleibt es, im Jahr 2028 die amtierende schwarz-blaue Koalition in Niederösterreich zu beenden. Er möchte das Bundesland sozialer und zukunftsorientierter gestalten, wofür er bereits mit dem „Niederösterreich-Plan“ ein inhaltliches Fundament gelegt sieht.
Solide Umfragewerte als Rückenwind
Hergovich verweist in seiner Stellungnahme zudem auf die stabilen Umfragewerte der Landesorganisation. Die SPÖ Niederösterreich liege seit Monaten über den Werten der Bundespartei, was er als Erfolg der gemeinsamen Arbeit aller Teilorganisationen – von der Gewerkschaft bis zum Gemeindevertreterverband – wertet. Diese Basis gelte es nun zu verteidigen und auszubauen, anstatt sie durch interne Konflikte zu gefährden.
Krisensitzung am Mittwoch einberufen
Um die Wogen zu glätten und die Situation persönlich zu besprechen, hat Hergovich für den kommenden Mittwoch um 15:00 Uhr eine Sitzung des erweiterten Landesparteipräsidiums einberufen. Eingeladen sind neben dem Präsidium auch alle Bezirksparteivorsitzenden. Sein Appell an die Funktionäre ist eindeutig: Man solle miteinander reden und nicht medial übereinander.
Sven Hergovich wählt die Flucht nach vorne und setzt auf die Karte der moralischen Integrität. Indem er die „mediale Vorfahrt“ seiner Kontrahentin kritisiert, positioniert er sich als Hüter der parteiinternen Ordnung. Ob dieser Appell zur Geschlossenheit ausreicht, um die aufkeimende Dynamik der Gegenkandidatur zu bremsen, wird sich bereits am Mittwoch zeigen.
Quelle „heute.at“
Informationen für Niederösterreich.
