Der Streit um das Areal in St. Marx erreicht eine neue Eskalationsstufe.
Nachdem am 9. April ein illegales Klima-Camp geräumt wurde, verlagerte sich der Widerstand nun direkt auf die Straße. Am Donnerstagnachmittag versammelten sich hunderte Demonstranten im dritten Wiener Gemeindebezirk, um gegen die Versiegelung der Freifläche und den Bau der geplanten Eventhalle zu protestieren. Die Bürgerinitiative St. Marx für Alle hatte zur Mobilisierung aufgerufen und verwandelte die Landstraße in eine Zone des lautstarken Protests.
Konfrontation in der Viehmarktgasse
Gegen 16.30 Uhr formierte sich der Demonstrationszug in der Viehmarktgasse. Die Stimmung vor Ort war aufgeheizt. Augenzeugen berichten, dass die polizeilichen Durchsagen, die zur Einhaltung der Ordnung aufriefen, konsequent mit lautstarken Buhrufen quittiert wurden. Für die Teilnehmer der Initiative geht es bei diesem Protest um eine Grundsatzentscheidung der Stadtplanung. Sie werfen der Stadt Wien vor, wertvolle öffentliche Räume ohne ausreichende Bürgerbeteiligung für Prestigeprojekte zu opfern.
Massive Kritik am Partner Eventim
Im Zentrum des Zorns steht neben der Stadtpolitik vor allem der internationale Ticket-Konzern Eventim. Die Initiative kritisiert die Verwertung öffentlicher Flächen durch private Großkonzerne massiv. Besonders das Projekt der Wien Holding Arena, bei dem Eventim eine zentrale Rolle spielt, wird als Beispiel für eine verfehlte Politik zulasten der Anrainer angeführt. Als Zeichen des Widerstands riefen die Organisatoren dazu auf, Tickets künftig nicht mehr über die Konzerntochter Ö-Ticket zu erwerben und Veranstaltungen, die im Einflussbereich des Unternehmens stehen, konsequent zu boykottieren.
Verkehrschaos und gesperrte Linien
Die Auswirkungen des Protests bekamen auch Tausende Pendler zu spüren. Die Wiener Linien mussten den Betrieb der Buslinie 74A komplett einstellen. Bis in die Abendstunden gegen 20.00 Uhr war kein Durchkommen möglich. Fahrgäste wurden angewiesen, großräumig auf die U-Bahn-Linie U3 sowie die Straßenbahnlinie 18 und die Autobuslinien 4A und 77A auszuweichen. In der gesamten Landstraße kam es zu massiven Verzögerungen im Individualverkehr.
Der Protest zeigt deutlich, dass die Räumung des Klima-Camps den Widerstand nicht gebrochen, sondern politisiert hat. Die Forderung nach dem Erhalt unversiegelter Flächen trifft in Zeiten klimapolitischer Debatten einen Nerv. Die Stadt Wien steht nun vor der Herausforderung, zwischen den wirtschaftlichen Interessen der Wien Holding und dem wachsenden Unmut der lokalen Bevölkerung zu vermitteln. Solange kein Dialog stattfindet, ist mit weiteren Störungen im öffentlichen Raum zu rechnen.
Quelle „heute.at“
St. Marx bleibt der Brennpunkt der Wiener Stadtentwicklung.