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Der Preis für Rohöl ist seit Anfang Mai deutlich gefallen. Wer allerdings an die Zapfsäule fährt, spürt davon wenig. Eine aktuelle Analyse der UniCredit Bank Austria beleuchtet die Ursachen für diese Entwicklung und erklärt, warum Benzin und Diesel weiterhin auf hohem Niveau verharren.
Engpass bei den Raffinerien

Das Problem liegt derzeit nicht an der Verfügbarkeit von Rohöl, sondern an den weltweiten Verarbeitungskapazitäten. Wie Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer erläutert, signalisieren die Märkte eine ausreichende Rohölversorgung, während die Raffinerien der Nachfrage nicht hinterherkommen. Dadurch bleiben die Preise für veredelte Kraftstoffe hoch.

Diese Anspannung zeigt sich an den sogenannten Crack-Spreads, die den Abstand zwischen dem Wert raffinierter Produkte und dem Rohölpreis messen. Zuletzt haben sich diese Margen spürbar ausgeweitet und den höchsten Stand seit der Energiekrise 2022 erreicht. Als Hauptgründe gelten Produktionsausfälle im Nahen Osten sowie Einschränkungen bei russischen Raffinerien infolge des Ukraine-Kriegs.

Entkopplung an der Zapfsäule

Obwohl der Rohölpreis seit seinem Höchststand Anfang Mai 2026 um mehr als 20 Prozent von etwa 95 auf knapp über 70 Euro je Barrel sank, gaben die Preise an den Tankstellen kaum nach. Laut Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl zeigt sich hier eine deutliche Entkopplung.

In der ersten Augusthälfte lag der Durchschnittspreis für Diesel in Österreich bei 2,01 Euro und für Superbenzin bei 1,78 Euro pro Liter. Zieht man Steuern und Abgaben ab, betragen die Nettopreise rund 1,15 Euro bei Diesel und 0,88 Euro bei Benzin. Im Vergleich zu den bisherigen Höchstständen bedeutet dies lediglich ein Minus von etwa fünf Prozent.

Auswirkung auf die Teuerung

Die hohen Spritpreise belasten weiterhin die Gesamtinflation. Obwohl Energieprodukte nur rund 8,2 Prozent des österreichischen Warenkorbs ausmachen, waren sie seit Ausbruch des Iran-Konflikts für etwa ein Fünftel der gesamten Inflation verantwortlich. Nach einer vorübergehenden Abschwächung auf 2 Prozent zu Jahresbeginn stieg die Inflationsrate zwischen März und Juli wieder auf durchschnittlich 3,2 Prozent an.

Laut Pudschedl hätten die Treibstoffpreise im Juli bei unveränderten Raffineriemargen um rund 10 Cent pro Liter niedriger ausfallen können. Dies hätte die Gesamtinflation um mehr als 0,2 Prozentpunkte gesenkt. Zusätzlich hat die schrittweise Reduzierung der staatlichen Benzinpreisbremse den Preisdruck an den Tankstellen verstärkt.

Ausblick auf Geldpolitik und Zinsen

Für das Gesamtjahr 2026 rechnet die Bank Austria für Österreich mit einer durchschnittlichen Inflationsrate von 3,2 Prozent, während für den Euroraum 2,9 Prozent prognostiziert werden.

Aufgrund der anhaltenden Risiken und der verhaltenen Preissenkungen im Energiebereich erwarten die Ökonomen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer September-Sitzung den Leitzins um weitere 25 Basispunkte anheben wird. Sollte es zu keiner erneuten Rolleskalation kommen, könnte dieser Schritt den Hochpunkt des aktuellen Zinszyklus markieren und den Einlagensatz auf 2,50 Prozent bringen.

Der Preisrückgang beim Rohöl kommt aufgrund begrenzter Raffineriekapazitäten und geopolitischer Unsicherheiten nur im geringen Umfang beim Verbraucher an. Die verhaltene Entlastung an den Tankstellen hält den Inflationsdruck aufrecht und zwingt die Währungshüter zu einer weiterhin vorsichtigen Geldpolitik.

Quelle „heute.at“

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Von admin

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