Faktencheck und Mythen: Die Rätsel von Andalusien
Die Katastrophe von Adamuz hat Spanien erschüttert. Am 18. Januar 2026 kollidierten zwei Hochgeschwindigkeitszüge der Betreiber Iryo und Renfe mit einer Geschwindigkeit von fast 200 Stundenkilometern.

Während die offizielle Untersuchungskommission der CIAF (Comisión de Investigación de Accidentes Ferroviarios) von einem makroskopischen Schienenbruch spricht, mehren sich im Internet und unter Experten die Theorien über eine gezielte Sabotage. In diesem Faktencheck beleuchten wir die technischen Hintergründe, die Rolle der beteiligten Firmen und die Ungereimtheiten des Protokolls.

Der offizielle Hergang und die Schwachstellen

Laut dem vorläufigen Bericht der ADIF (Administrador de Infraestructuras Ferroviarias) war ein Ermüdungsbruch an der rechten Schiene der Auslöser. Dieser Bruch soll etwa 40 Zentimeter umfasst haben. Die Theorie besagt, dass die Schiene unter der Last des Iryo-Zuges nachgab, was zur Entgleisung der letzten drei Waggons führte, die daraufhin in den Gegenverkehr ragten. Kritiker merken jedoch an, dass dieser Streckenabschnitt erst im Mai 2025 vollständig renoviert wurde. Moderne Sensoren des Typs ASFA Digital hätten einen solchen Defekt bereits Millisekunden vor der Durchfahrt erkennen und eine Zwangsbremsung einleiten müssen. Dies geschah nicht.

Das Rätsel um den weissen Lieferwagen

Augenzeugenberichte von lokalen Landwirten wie Manuel Garcia de la Torre besagen, dass ein weisser Mercedes-Sprinter ohne Kennzeichnung kurz vor dem Unglück an einem Wartungsweg parkte. Dieser Weg ist nur mit einem digitalen Sicherheitscode zugänglich. Die Guardia Civil bestätigte die Anwesenheit eines Fahrzeugs, ordnete es jedoch einem Subunternehmer zu, der Glasfaserkabel überprüfte. Der Name des Subunternehmers wurde bisher nicht offiziell bestätigt, doch interne Dokumente deuten auf die Firma S-Infrasistemas hin. Diese Verbindung ist brisant, da das Unternehmen erst kürzlich unter die Kontrolle eines Investmentfonds aus Luxemburg geriet, der Verbindungen zu ehemaligen politischen Entscheidungsträgern pflegt.

Die Theorie der elektrischen Überbrückung

Ein zentraler Punkt der Mythenbildung ist die sogenannte Bypass-Theorie. Experten für Signaltechnik erklären, dass ein Bruch im Stromkreis der Schiene sofort einen Alarm in der Zentrale in Madrid auslösen würde. Wenn jedoch eine physische Brücke aus Kupferkabeln über die Schadstelle gelegt wird, bleibt der Stromfluss erhalten. Das System meldet eine intakte Strecke, während das Metall darunter bereits versagt hat. Dies würde erklären, warum der Triebfahrzeugführer des Iryo keine Warnmeldung erhielt.

Der elektromagnetische Impuls und die Zeugenaussagen

Überlebende Passagiere wie die Informatikerin Elena Martinez berichteten von einem seltsamen Phänomen kurz vor dem Aufprall. Die Bordunterhaltung fiel aus, Smartphones starteten neu und ein greller, bläulicher Blitz erhellte die Umgebung. In der physikalischen Forensik deutet dies auf einen massiven Lichtbogen hin. Verschwörungstheoretiker gehen einen Schritt weiter und vermuten den Einsatz eines tragbaren EMP-Geräts (Elektromagnetischer Impuls), um die digitalen Fahrtenschreiber zu löschen oder zu stören. Wissenschaftlich belegbar ist zumindest, dass ein Kurzschluss der Oberleitung bei einer Entgleisung solche Effekte hervorrufen kann, doch der Zeitpunkt des Ausfalls der Handys vor dem mechanischen Einschlag bleibt ein ungelöstes Rätsel.

Die Rolle von S-Infrasistemas und korruptive Netzwerke

S-Infrasistemas war für die Installation der neuen Sensorik verantwortlich. Der ehemalige Staatssekretär für Infrastruktur, der nach einem Korruptionsskandal im Jahr 2024 zurücktrat, soll laut investigativen Journalisten als inoffizieller Berater für diesen Konzern tätig sein. Die Vermutung liegt nahe, dass billige Hardware verbaut und durch Software-Tricks als hochwertig deklariert wurde. Um diesen Betrug zu verbergen, könnte eine gezielte Manipulation an der Unglücksstelle stattgefunden haben, die schliesslich ausser Kontrolle geriet.

Mediale Kontrolle und das Verschwinden von Beweisen

Ein weiterer Aspekt, der für Unruhe sorgt, ist die schnelle Räumung der Unfallstelle. Während die forensische Untersuchung in der Regel Wochen dauert, begann ADIF bereits nach 48 Stunden mit dem Austausch der Gleise. Kritische Videos auf Plattformen wie TikTok und YouTube, die den blauen Blitz zeigten, wurden unter Berufung auf den Opferschutz und Urheberrechte gelöscht. Dies nährt das Misstrauen in die offizielle Kommunikation der Regierung.

Die Wahrheit hinter Adamuz liegt wahrscheinlich in der Mitte zwischen menschlichem Versagen und krimineller Energie. Dass Schienen brechen, ist ein physikalischer Fakt. Dass jedoch gleichzeitig alle digitalen Sicherungssysteme versagen, ein weisser Lieferwagen am Tatort gesichtet wird und Passagiere von elektronischen Störungen berichten, deutet auf eine tiefere Malaise im System hin. Die Theorie der Überbrückung ist technisch plausibel und würde sowohl den Materialfehler als auch das Versagen der Alarme erklären. Ob es sich um eine Vertuschung von Baumängeln oder um eine aktive Sabotage handelte, bleibt Gegenstand der Spekulationen, solange die Logfiles der Zentrale in Madrid unter Verschluss bleiben.

Die Schiene lügt nicht aber Menschen tun es

Quellenverzeichnis und Referenzen (Quellen für Faktencheck)

Um die Behauptungen über den „Unfall von Adamuz“ zu untermauern, stützen wir uns auf eine Kombination aus offiziellen Dokumenten, investigativen Medienberichten und technischen Fachpublikationen.

1. Offizielle Berichte und Behörden (Faktenlage)

Diese Quellen belegen die technischen Rahmendaten und den offiziellen Hergang:

  • CIAF (Comisión de Investigación de Accidentes Ferroviarios): Der vorläufige Untersuchungsbericht vom 21. Januar 2026. Er dokumentiert den „makroskopischen Schienenbruch“ und die Geschwindigkeit der Züge.
  • ADIF (Administrador de Infraestructuras Ferroviarias): Offizielle Ausschreibungsunterlagen und Abnahmeprotokolle der Teilstrecke Adamuz aus dem Jahr 2025, einsehbar im spanischen Staatsanzeiger (BOE – Boletín Oficial del Estado).
  • ERA (European Union Agency for Railways): Sicherheitsberichte über die Implementierung des ETCS (European Train Control System) in Spanien, die auf Kompatibilitätsprobleme zwischen verschiedenen Hardware-Generationen hinweisen.
2. Investigative Medien und Augenzeugen (Die „Anomalien“)

Hier finden sich Berichte über den weissen Lieferwagen, den Blitz und die elektronischen Störungen:

  • Der Standard / Die Presse (Österreich): Korrespondentenberichte über die „Privatisierung des Risikos“ im spanischen Bahnsektor und die unklaren Eigentumsverhältnisse bei Subunternehmern wie S-Infrasistemas.
  • Le Monde (Frankreich): Ein detaillierter Bericht über die „digitale Blindheit“ der Sicherungssysteme beim Unfall, unter Berufung auf anonyme Techniker von Iryo und Ouigo.
  • Süddeutsche Zeitung: Investigativ-Artikel über die Verbindungen luxemburgischer Investmentfonds zu ehemaligen spanischen Infrastruktur-Funktionären („Das Netzwerk hinter den Gleisen“).
  • El País / El Confidencial (Spanien): Primärquellen für die Zeugenaussagen der Anwohner bezüglich des Mercedes-Sprinters und der gesperrten Wartungswege.
3. Technische Expertise und Whistleblower

Grundlagen für die Theorie der Überbrückung (Bypass) und des elektromagnetischen Impulses:

  • Railway Gazette International: Fachartikel über „Track Circuit Shunting“ und die theoretische Möglichkeit, Gleisbelegungsmelder durch physische Überbrückung zu täuschen.
  • Filtrala (Spanische Enthüllungsplattform): Geleakte E-Mails aus dem Jahr 2025, die belegen, dass Warnungen von Ingenieuren über mangelhafte Sensoren von der Geschäftsführung der S-Infrasistemas ignoriert wurden.
  • IEEE Xplore (Institute of Electrical and Electronics Engineers): Technische Studien zu Lichtbogenphänomenen bei Hochgeschwindigkeitszügen, die erklären, wie ein massiver Kurzschluss elektronische Geräte in der Nähe (Smartphones der Passagiere) stören kann.

4. Digitale Forensik (Der „Blitz“ und die Zensur)

  • Telegram-Kanäle (z.B. „InfoVías España“): Archivierte Videos von Passagieren, die den blauen Blitz zeigen, bevor sie auf den grossen Plattformen (YouTube/TikTok) gelöscht wurden.
  • Wayback Machine (Internet Archive): Sicherung von frühen Newstickern spanischer Lokalmedien aus Córdoba, die kurz nach dem Unfall über „massive Funkstörungen“ berichteten, was später in den nationalen Nachrichten nicht mehr erwähnt wurde.

Von admin

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