In Österreich markiert dieses Mittwoch einen Wendepunkt im Kalender, der wenig Grund zum Feiern gibt, aber viel Raum für Debatten bietet.

Es ist Equal Pay Day – jener Tag, bis zu dem Frauen statistisch gesehen seit Jahresbeginn „gratis“ gearbeitet haben. Während die Lohnschere zwar minimal schrumpft, bleibt die Forderung nach ökonomischer Gleichstellung das zentrale politische Thema des Tages.

Statistik zeigt langsame Annäherung

Die aktuellen Zahlen offenbaren eine leichte Entspannung, aber keineswegs ein Ende der Ungleichheit. Frauen verdienen in Österreich durchschnittlich 11,5 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Im Vergleich zum Vorjahr verkleinerte sich dieser Gender Pay Gap lediglich um 0,7 Prozentpunkte. Das bedeutet zwar, dass der Equal Pay Day heuer zwei Tage früher stattfindet als im Vorjahr, doch das Tempo der Veränderung bleibt schneckenhaft. Würde sich dieser Trend in derselben Geschwindigkeit fortsetzen, wäre eine vollständige Lohngerechtigkeit erst im Jahr 2043 erreicht.

Eva-Maria Holzleitner kritisiert Stillstand

Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner findet klare Worte für die aktuelle Situation. Sie bezeichnet es als untragbaren Zustand, dass Frauen im Jahr 2026 statistisch gesehen immer noch weit über einen Monat ohne Bezahlung arbeiten müssen. Für die SPÖ-Ministerin ist die ökonomische Unabhängigkeit der zentrale Schlüssel zur realen Gleichstellung. Sie drängt darauf, Fortschritte effizienter und schneller zu gestalten, anstatt sich auf den minimalen Verbesserungen der letzten Monate auszuruhen.

Transparenz als Hebel gegen Diskriminierung

Ein wesentlicher Teil der Lohnunterschiede lässt sich nicht durch Faktoren wie Teilzeitarbeit oder die Branchenwahl erklären. Hier setzt die Kritik von AK-Präsidentin Renate Anderl an. Sie vermutet hinter der verbleibenden Lücke direkte Lohndiskriminierung in den Betrieben. Um diese unsichtbaren Barrieren zu durchbrechen, fordert die Arbeiterkammer eine lückenlose Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie. Ziel ist es, Entlohnungssysteme inklusive Boni und Zulagen offenzulegen, damit Gerechtigkeit nicht länger Verhandlungssache bleibt.

Ministerium verhandelt Umsetzung

Während der Druck vonseiten der Arbeitnehmervertreter und der Frauenministerin steigt, wird im Arbeitsministerium bereits an den Details gefeilt. Die Umsetzung der Richtlinie für die Privatwirtschaft sei derzeit Gegenstand intensiver Verhandlungen. Es geht darum, klare Kriterien für die Zuerkennung von Prämien zu schaffen und so die Vergleichbarkeit der Gehälter sicherzustellen.

Der Equal Pay Day 2026 verdeutlicht, dass der Weg zur Einkommensgerechtigkeit in Österreich zwar beschritten, aber noch lange nicht am Ziel ist. Die leichte Verbesserung um 0,7 Prozentpunkte ist ein Signal, darf aber nicht über die strukturellen Defizite hinwegtäuschen. Wahre Gleichberechtigung wird erst dann erreicht sein, wenn das Geschlecht im Gehaltszettel keine Rolle mehr spielt.

Quelle „heute.at“

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Von admin

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