Nach fast zwei Jahrzehnten zäher Verhandlungen ist der Durchbruch gelungen. Die Europäische Union und Indien haben sich auf ein umfassendes Zollabkommen geeinigt, das den Zugang zum indischen Markt grundlegend neu ordnet.
Der indische Premierminister Narendra Modi bezeichnete die Vereinbarung am Dienstag bereits als „Mutter aller Deals“. Das Abkommen markiert einen historischen Wendepunkt in den Handelsbeziehungen zwischen Brüssel und Neu-Delhi, da Indien seine bisher stark geschützten Märkte für europäische Unternehmen weitflächig öffnet.
Marktöffnung und sinkende Zollschranken
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wird die genauen Details des Pakets später präsentieren. Ziel ist es, das Abkommen noch im aktuellen Kalenderjahr in Kraft zu setzen. Ein zentraler Punkt der Einigung ist die massive Senkung indischer Importzölle auf null Prozent für zahlreiche Güter aus der EU. Davon profitieren insbesondere die Automobilbranche, die Chemieindustrie sowie Produzenten bestimmter Lebensmittel. Für europäische Exporteure fällt damit eine der größten Hürden auf dem Weg zum indischen Subkontinent weg.
Hattmannsdorfer sieht enorme Standortvorteile
In Österreich wird die Nachricht mit großer Zustimmung aufgenommen. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) betont die strategische Bedeutung dieses Abschlusses. Laut dem Minister treibt der Deal die Diversifizierung der österreichischen Wirtschaft voran und stärkt die Krisenfestigkeit der heimischen Wertschöpfungsketten. Er verweist dabei explizit auf die Industriestrategie der Bundesregierung, in der Indien bereits als einer der wichtigsten Leitmärkte definiert wurde. Angesichts globaler Unsicherheiten sei es essenziell, den Wohlstand nicht von einzelnen Handelspartnern abhängig zu machen.
Fokus auf kritische Rohstoffe und Wachstum
Indien bietet mit über 1,4 Milliarden Menschen und einer Wachstumsrate von rund 6,5 Prozent ein enormes Potenzial für die Zukunft. Für den österreichischen Standort ist das Land zudem als Lieferant kritischer Rohstoffe wie Kupfer, Kobalt, Graphit und Lithium von Bedeutung. Hattmannsdorfer unterstreicht, dass die österreichischen Exporte nach Indien bereits in den vergangenen zehn Jahren um 120 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro angewachsen sind. Allein in den ersten zehn Monaten des Jahres 2025 verzeichnete man ein weiteres Plus von 13 Prozent.
Potenzial für Maschinenbau und Chemie
Eine Analyse des International Trade Center verdeutlicht das wirtschaftliche Volumen des Abkommens. Das zusätzlich realisierbare Exportpotenzial wird auf rund 1,1 Milliarden Euro geschätzt. Besonders der heimische Maschinenbau und die chemische Industrie stehen laut Hattmannsdorfer vor einer „großen Chance“. Da Indien bereits jetzt der neuntgrößte Handelspartner der EU ist und rund 800.000 Arbeitsplätze in Europa direkt an diesem Austausch hängen, ist die wirtschaftliche Hebelwirkung des Deals kaum zu überschätzen.
Forderung nach mehr Tempo bei Handelsverträgen
Trotz der Freude über den Abschluss mahnt der Wirtschaftsminister zur Eile bei weiteren Projekten. Die österreichische Bundesregierung fordert von der EU-Kommission, auch andere prioritäre Leitmärkte schneller zu erschließen. Insbesondere bei Freihandelsabkommen mit weiteren Regionen in Asien sowie der Golfregion müsse das Tempo deutlich erhöht werden, um die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs und Europas langfristig zu sichern.
Das neue Handelsabkommen mit Indien stellt für die österreichische Exportwirtschaft einen bedeutenden Meilenstein dar. Durch den Wegfall hoher Zölle und den gesicherten Zugang zu wichtigen Rohstoffen eröffnen sich insbesondere für den Maschinenbau neue Wachstumshorizonte. Der Deal ist ein entscheidender Schritt, um die Abhängigkeit von einzelnen Großmärkten zu verringern und die heimische Industriestrategie konsequent umzusetzen.
Quelle“heute.at“
Wirtschaft im Fokus – Fortschritt für Österreich.
