Die Debatte um die Wiener Ladenöffnungszeiten erreicht eine neue Eskalationsstufe. ÖVP-Landesparteiobmann Markus Figl positioniert sich klar gegen isolierte Insellösungen und fordert eine flächendeckende Regelung für die gesamte Bundeshauptstadt.
Ende der Tourismuszonen-Debatte
Markus Figl, der nicht nur die Wiener Volkspartei leitet, sondern auch als Bezirksvorsteher der Inneren Stadt fungiert, erteilt den Plänen für exklusive Tourismuszonen eine Absage. Im Gespräch mit der Tageszeitung „Die Presse“ stellte er unmissverständlich klar, dass eine Beschränkung auf den ersten Bezirk für ihn nicht infrage komme. Sollte die Sonntagsöffnung realisiert werden, müsse sie als solidarisches Modell für alle Wiener Bezirke gelten.
Langfristige Strategie statt Event-Politik
Zwar räumt Figl ein, dass punktuelle Sonderregelungen – etwa bei internationalen Großereignissen wie dem kommenden Eurovision Song Contest im Mai – denkbar seien, doch sieht er darin lediglich ein Provisorium. Für den ÖVP-Chef ist die Sonntagsöffnung eine Frage der Zeit und der wirtschaftlichen Vernunft. Er zeigt sich überzeugt, dass eine dauerhafte, stadtweite Lösung unumgänglich ist, um Wien als modernen Handelsstandort zu behaupten.
Jubiläum im Zeichen des Umbruchs
Die politischen Forderungen fallen zusammen mit einem persönlichen Meilenstein. In der Wiener Urania feierte Figl kürzlich sein zehnjähriges Jubiläum als Bezirksvorsteher. Unter den Gratulanten befanden sich prominente Wegbegleiter wie der ehemalige Finanzminister Gernot Blümel und ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti. Die Feier, die aufgrund der intensiven politischen Arbeit vom Dezember in das Frühjahr verschoben wurde, diente auch als Bühne für die neue, forsche Gangart der Wiener ÖVP.
Transformation der Innenstadt
Parallel zur Handelsdebatte treibt Figl die Verkehrsberuhigung des ersten Bezirks voran. Das ambitionierte Vorhaben orientiert sich an italienischen Metropolen und gilt als „Jahrhundert-Projekt“. Private Pkw-Einfahrten sollen drastisch reduziert, Parkplätze konsequent in Tiefgaragen verlagert werden. Ziel ist eine massive Aufwertung des öffentlichen Raums. Die frei werdenden Flächen an der Oberfläche sollen für eine umfassende Neugestaltung und mehr Lebensqualität genutzt werden.
Markus Figl nutzt sein neues Gewicht als ÖVP-Landeschef, um alte Tabus zu brechen. Mit der Koppelung von Verkehrsberuhigung und liberalisierten Öffnungszeiten zeichnet er ein Bild eines modernen Wiens, das den Wettbewerb mit anderen Metropolen nicht scheut. Die kommenden Monate werden zeigen, ob für diesen radikalen Kurs die notwendigen politischen Mehrheiten im Rathaus zu finden sind.
Quelle „heute.at“
Österreichs Hauptstadt im Wandel.