Christoph Wiederkehr, MA, Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung / ©BKAAndy-Wenzel
Die österreichische Schullandschaft steht vor einem historischen Umbruch. Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) forciert eine umfassende Lehrplanreform, die den Fokus weg von antiken Sprachen und hin zu den Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts lenkt.

Ab dem Schuljahr 2027/28 wird Künstliche Intelligenz zum festen Bestandteil des Unterrichts in den AHS-Oberstufen.

Informatik erhält Upgrade durch KI

Der bisherige Informatikunterricht erfährt eine signifikante Aufwertung. Das Fach wird künftig unter dem Namen Informatik und Künstliche Intelligenz geführt. Um der Komplexität des Themas gerecht zu werden, sieht die Reform eine zusätzliche Wochenstunde vor. Schüler sollen dort nicht nur die Anwendung von KI-Tools erlernen, sondern auch die dahinterliegenden Algorithmen und ethischen Fragestellungen verstehen.

Neues Pflichtfach Medien und Demokratie

Neben der technologischen Offensive setzt das Bildungsministerium auf politische Bildung. Mit dem neuen Gegenstand Medien und Demokratie reagiert die Regierung auf die Herausforderungen durch soziale Medien und Desinformation. Ziel ist es, die Medienkompetenz der Jugendlichen zu stärken und ein tieferes Verständnis für demokratische Prozesse zu vermitteln. Die Absolventen sollen befähigt werden, Fakten von Fake News zu unterscheiden und die Rolle der freien Presse in einer Gesellschaft einzuordnen.

Latein verliert massiv an Boden

Die Modernisierung des Stundenplans erfordert an anderer Stelle schmerzhafte Einschnitte. Um Platz für die neuen Schwerpunkte zu schaffen, wird das Fach Latein drastisch gekürzt. In Gymnasien mit Lateinpflicht sinkt das Stundenausmaß von bisher zwölf auf nur noch acht Wochenstunden über vier Jahre verteilt. In Realgymnasien, in denen Latein als Alternative zu einer lebenden Fremdsprache gewählt werden kann, fallen die Kürzungen etwas moderater aus, markieren aber dennoch das Ende einer Ära für die humanistische Bildung.

Mehr Autonomie für die Standorte

Ein wesentlicher Teil der Reform betrifft die Entscheidungsfreiheit der einzelnen Schulen. Eine durch die Umstrukturierung frei werdende Stunde kann von den Direktionen in Eigenregie gestaltet werden. Damit soll auf regionale Bedürfnisse oder spezifische Schulschwerpunkte besser eingegangen werden können. Offen bleibt vorerst die Personalfrage: Wer die neuen Inhalte rund um Demokratie und Medienpädagogik konkret unterrichten wird, muss in den kommenden Monaten noch final geklärt werden.

Die geplante Reform von Bildungsminister Christoph Wiederkehr ist ein mutiger Schritt in Richtung Digitalisierung, geht jedoch auf Kosten der klassischen Bildungstradition. Während die Aufwertung der Informatik und die Förderung der Medienkompetenz als zeitgemäß gelten, sorgt das Zurückfahren von Latein für Diskussionen über den Wert kultureller Wurzeln in einer technisierten Welt.

Wissen für morgen statt Vokabeln von gestern.

Von admin

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