Der Fachkräftemangel im Gesundheitssektor bleibt eine der größten Herausforderungen für die oberösterreichische Landespolitik. Um den Pflegeberuf für Neueinsteiger und Umsteiger attraktiver zu gestalten, setzt das Land weiterhin auf finanzielle Anreize. Ab dem neuen Jahr wird das bestehende Pflegestipendium erhöht, um die Lebenshaltungskosten der Auszubildenden besser abzufedern.
Finanzielle Spritze für angehende Pflegekräfte
Seit dem Start der Initiative im September 2022 hat sich der Ausbildungszuschuss als wesentliches Instrument zur Personalakquise etabliert. Während die monatliche Unterstützung zuletzt bei 630 Euro lag, dürfen sich Studierende und Schüler ab Januar über eine Anpassung freuen. Die Zahlung steigt um 28 Euro auf insgesamt 658 Euro pro Monat. Einzige Grundvoraussetzung für den Erhalt ist, dass sich der Schulstandort innerhalb von Oberösterreich befindet.
Bilanz einer Millioneninvestition
Die zuständige Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander und Soziallandesrat Christian Dörfel (beide ÖVP) ziehen eine positive Bilanz der bisherigen Maßnahmen. In den vergangenen drei Jahren wurden bereits 1.913 Anträge bewilligt, was einer Gesamtauszahlungssumme von rund 13,4 Millionen Euro entspricht. Die Landespolitik betont dabei nicht nur den finanziellen Aspekt, sondern verweist auf die Krisensicherheit und die Sinnhaftigkeit der Berufe im Sozialwesen.
Wer hat Anspruch auf das Stipendium
Die Förderung richtet sich an ein breites Spektrum an Ausbildungswegen. Antragsberechtigt sind Personen, die sich in folgenden Zweigen qualifizieren:
- Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflege sowie Bachelorstudium Pflegewissenschaft
- Pflegefachassistenz und Pflegeassistenz
- Diplom- und Fachsozialbetreuung mit Fokus auf Altenarbeit, Behindertenarbeit oder Behindertenbegleitung
- Diplomsozialbetreuung mit dem Schwerpunkt Familienarbeit
Ein entscheidendes Detail bei der Vergabe ist jedoch die soziale Abgrenzung: Das Stipendium erhalten nur jene, die keine anderen existenzsichernden Zahlungen, wie etwa Arbeitslosengeld oder vergleichbare Leistungen, beziehen.
Politische Debatte über Strategien in Wels
Trotz der landesweiten Förderungen bleibt die Situation auf kommunaler Ebene teilweise angespannt. In Wels sorgt aktuell die Kritik der SPÖ für politisches Aufsehen. Gemeinderat Johann Reindl-Schwaighofer wirft der zuständigen Vizebürgermeisterin Christa Raggl-Mühlberger (FPÖ) vor, keine tragfähige Fachkräftestrategie zu verfolgen. Der Vorwurf wiegt schwer: Es seien Honorare in vierstelliger Höhe geflossen, ohne dass eine einzige neue Pflegekraft für die Stadt gewonnen werden konnte. Angesichts drohender Engpässe bei Betten in der Langzeitpflege fordert die Opposition rasche Lösungen.
Abwicklung und Information
Interessierte können den Bonus je nach Ausbildungsort bei den jeweiligen zuständigen Stellen beantragen. Detaillierte Informationen zum Bewerbungsprozess und den Fristen sind auf der Plattform ooe-pflegestipendium.at abrufbar.
Die Erhöhung des Pflegestipendiums auf 658 Euro ist ein notwendiger Schritt, um die Attraktivität der Pflegeberufe in Oberösterreich zu sichern. Während die landesweite Bilanz beeindruckende Zahlen liefert, zeigen die Unstimmigkeiten in Städten wie Wels, dass finanzielle Anreize allein nur ein Teil einer umfassenden Strategie gegen den Pflegenotstand sein können.
Quelle „heute.at“
Oberösterreich pflegt die Zukunft.
