Die Sozialdemokratie kommt nicht zur Ruhe. Während die politische Konkurrenz sich formiert, brodelt es am Wiener Löwelplatz gewaltig. Im Zentrum der Debatte steht die Frage, ob der aktuelle Vizekanzler Andreas Babler noch der richtige Mann für die Spitze ist oder ob ein Altbekannter das Ruder übernehmen muss.
Umfragen sehen Christian Kern vorne

Die Gerüchteküche in der Bundeshauptstadt wird durch aktuelle Zahlen befeuert. Laut Meinungsforscher Peter Hajek weisen jüngste Erhebungen darauf hin, dass Ex-Kanzler Christian Kern bei der Wählerschaft deutlich besser ankommt als der amtierende Parteichef. Eine Umfrage für „Heute“ zeigt ein deutliches Bild: 37 Prozent der SPÖ-Wähler würden Kern bevorzugen. Hajek betont, dass Kern aktuell mehr Chancen für die Partei generieren könnte als Babler.

Schatten der Vergangenheit

Die aktuelle Situation weckt Erinnerungen an das turbulente Jahr 2023. Damals zerrieb sich die Partei im Machtkampf zwischen Pamela Rendi-Wagner und Hans Peter Doskozil, nur um am Ende Andreas Babler als lachenden Dritten zu präsentieren. Peter Hajek warnt davor, die Fehler des damaligen Parteitags-Fiaskos zu wiederholen. Ein erneutes öffentliches Zerwürfnis könnte die Glaubwürdigkeit der SPÖ nachhaltig beschädigen.

Die Hürde der politischen Bühne

Ein Wechsel an der Spitze bringt jedoch logistische Probleme mit sich. Sollte ein Gegenkandidat Babler ablösen, stellt sich die Frage nach dem Mandat. Da die nächste Nationalratswahl erst für 2029 angesetzt ist, fehlt einem neuen Parteichef ohne Amt die nötige Sichtbarkeit. Hajek gibt zu bedenken, dass eine Führungsperson eine Bühne braucht, idealerweise ein Regierungsamt, um politisch wirksam zu bleiben.

Bablers Sitzfleisch als entscheidender Faktor

Ein entscheidender Punkt bleibt die persönliche Entscheidung des Vizekanzlers. Andreas Babler verliert durch einen möglichen Verlust des Parteivorsitzes nicht automatisch sein Amt in der Regierung. Wenn er nicht weichen will, bleibt er Vizekanzler. Dies könnte zu einer komplizierten Doppelspitze oder internen Blockaden führen, die das von Hajek geforderte „geeinte Auftreten“ unmöglich machen.

Die SPÖ steht vor einer Zerreißprobe zwischen ideologischer Treue zu Babler und dem pragmatischen Wunsch nach Wahlerfolgen mit Kern. Ohne eine klare Funktion für einen potenziellen Nachfolger und ohne die volle Unterstützung des Parteivorstands droht der Partei eine langwierige Selbstbeschäftigung, die Wählerstimmen kosten könnte. Nur ein geschlossenes Auftreten kann den Abwärtstrend stoppen.

Quelle „heute.at“

Sozialdemokratie am Scheideweg.

Von admin

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