Die Teuerungswelle in Österreich hält sich hartnäckig, doch besonders an den Tankstellen scheint die Logik des Marktes außer Kraft gesetzt. Während die Rohölpreise auf den Weltmärkten sinken, bleibt die Entlastung für die heimischen Autofahrer aus. Am Donnerstagnachmittag tritt daher die neu besetzte Preiskommission zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammen, um dem „Sprit-Hammer“ auf den Grund zu gehen.

Verdacht auf Körberlgeld bei Benzin und Diesel Das Missverhältnis zwischen den fallenden Kosten für Rohöl und den stabilen Preisen an der Zapfsäule sorgt für politischen Zündstoff. Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig findet dafür deutliche Worte. Sie verweist auf die Bilanz des Jahres 2025: Der Ölpreis stürzte um fast 30 Prozent ab, doch an den Tankstellen war von diesem Preisrutsch kaum etwas zu spüren. Die Vermutung liegt nahe, dass die Konzerne die Differenz als zusätzliche Gewinnmarge einstreichen, anstatt sie an die Konsumenten weiterzugeben.

Preiskommission nimmt Arbeit unter Hochdruck auf In der neu formierten Kommission sitzen Vertreter der entscheidenden Institutionen an einem Tisch. Neben dem Sozialministerium und dem Finanzministerium sind auch das Wirtschafts-, Umwelt- und Landwirtschaftsministerium vertreten. Die breite Aufstellung soll sicherstellen, dass die gesamte Wertschöpfungskette – vom Import über die Raffinerie bis hin zum Einzelhandel – lückenlos durchleuchtet wird. Ziel ist eine aktive Marktbeobachtung, um Preistreiberei künftig schneller einen Riegel vorzuschieben.

Arbeiterkammer und ÖGB fordern volle Aufklärung Die Arbeitnehmervertreter blicken mit hohen Erwartungen, aber auch mit einer gewissen Skepsis auf die Untersuchung. Tobias Schweitzer, Bereichsleiter Wirtschaft in der Arbeiterkammer, erinnert mahnend an das Jahr 2022, als eine ähnliche Prüfung vorzeitig beendet wurde. Diesmal dürfe es kein vorzeitiges Ende geben, bevor die Ursachen geklärt sind. Unterstützung kommt von ÖGB-Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth, die in der Untersuchung ein wichtiges Instrument sieht, um die Inflation nachhaltig zu bremsen und Transparenz für die Bürger zu schaffen.

Fokus auf die Gewinner der Krise Die Sonderprüfung soll klären, an welcher Stelle die Preisvorteile versickern. Sollten die Experten feststellen, dass ungerechtfertigte Aufschläge die Preise künstlich hochhalten, stehen politische Gegenmaßnahmen im Raum. Die Kommission will sicherstellen, dass Entlastungen am Weltmarkt auch tatsächlich in den Geldbörsen der Österreicher ankommen und nicht in den Bilanzen der Energiekonzerne verschwinden.

Der erste Einsatz der neuen Preiskommission ist ein Signal an die Mineralölwirtschaft: Die Politik schaut nicht mehr länger weg, wenn die Schere zwischen Rohölkosten und Endpreisen immer weiter auseinandergeht. Ob die Untersuchung tatsächlich zu sinkenden Preisen führt, wird davon abhängen, wie konsequent die Kommission ihre Befugnisse nutzt und ob die identifizierten Profiteure zur Rechenschaft gezogen werden.

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Von admin

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