Bundeskanzler Christian Stocker geht in einer groß angelegten Interview-Serie in die mediale Offensive.
Angesichts schwacher Umfragewerte schärft der ÖVP-Chef sein Profil und attackiert die Freiheitlichen unter Herbert Kickl mit ungewohnt scharfen Worten. Die Botschaft ist klar: Abgrenzung statt Annäherung.
Umfragetief erzwingt Strategiewechsel
Die aktuelle politische Lage ist für die Regierungskoalition wenig erfreulich. Laut jüngsten Daten des Instituts für Demoskopie und Datenanalyse (IFDD) für die Krone liegt die FPÖ mit rund 36 Prozent unangefochten an der Spitze. Die Kanzlerpartei ÖVP stagniert hingegen bei etwa 20 Prozent. Stocker, der oft als „Buddha von Wien“ bezeichnet wird, räumt ein, dass er mit diesen Zahlen nicht glücklich sei. Intern herrscht Druck: Die Parteistrategen warnen davor, dass ein „Weiter wie bisher“ zum politischen Untergang führen könnte.
Kampfansage gegen die Polarisierung
In Gesprächen mit Medien wie Heute und der Kleinen Zeitung findet der Wiener Neustädter deutliche Worte für den politischen Mitbewerber. Er bezeichnet die FPÖ als Sammelstelle der Unzufriedenen. Laut Stocker generiere die Oppositionspartei ihren Zulauf ausschließlich aus Empörung und Wut. Diese Form der Polarisierung treibe die Gesellschaft auseinander, was er als den völlig falschen Weg für Österreich ansieht. Sein Ziel sei es, durch Zusammenführung der FPÖ den politischen Treibstoff zu entziehen.
Lösungen statt Verschwörungstheorien
Der fundamentale Unterschied zur Volkspartei liege laut Stocker im Umgang mit Krisen. Während die FPÖ von Unsicherheit und Angst lebe, wolle die ÖVP Zuversicht geben und reale Lösungen anbieten. Er kritisiert das Konzept der „Festung Österreich“ scharf. Ein kleines Land wie Österreich dürfe in schwierigen Zeiten nicht die Zugbrücke hochziehen. Fortschritt entstehe durch Innovation, Technik und Wissenschaft, nicht durch das Verbreiten von Verschwörungstheorien, so der Kanzler.
Frontalangriff auf Herbert Kickl
Besonders deutlich wird Stocker in der Kritik am FPÖ-Obmann. Er wirft Herbert Kickl vor, das Unmögliche zu versprechen, ohne jemals den Wahrheitsbeweis antreten zu müssen. Kickl wolle keine Kompromisse, sondern mit dem Kopf durch die Wand. Im Gegensatz dazu stehe die Regierungsarbeit, die auf dem Lösen von Problemen und dem Finden von Konsens basiere. Trotz des aktuellen Umfragedesasters gibt sich der Kanzler optimistisch und betont, dass die Regierung entgegen aller Unkenrufe bisher nicht gescheitert sei.
Bundeskanzler Christian Stocker hat sich für einen harten Konfrontationskurs entschieden. Durch die klare ideologische Abgrenzung zur FPÖ versucht er, die verloren gegangene Wählergunst zurückzugewinnen. Ob die Strategie, die FPÖ als reine Protestpartei ohne Konzepte darzustellen, aufgeht, werden die kommenden Monate zeigen. Die ÖVP setzt jedenfalls alles auf die Karte der staatstragenden Vernunft.
Quelle „heute.at“
Österreich im Fokus der Vernunft.