Die jüngsten Sabotageakte auf die Stromversorgung in Berlin haben europaweit die Alarmglocken schrillen lassen. Auch in Österreich stellt sich die dringende Frage, wie verwundbar die heimische Infrastruktur gegenüber gezielten Angriffen ist.
Oesterreichs Energie, die Interessenvertretung der heimischen E-Wirtschaft, nimmt die Vorfälle zum Anlass, um über die aktuelle Sicherheitslage und notwendige Investitionen aufzuklären.
Das n-1-Prinzip als Schutzschild
Mit einer Systemlänge von mehr als 270.000 Kilometern ist das österreichische Stromnetz ein komplexes Geflecht. Laut Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie, gilt dieses Netz als eines der sichersten weltweit. Dennoch gibt es keine absolute Garantie. Ein entscheidender Faktor für die Stabilität ist das sogenannte n-1-Prinzip. Dieses besagt, dass das Netz so geplant ist, dass beim Ausfall einer Komponente – sei es durch einen Defekt oder Sabotage – andere Teile die Last übernehmen. Ein einfacher Brand an einer beliebigen Stelle reicht in der Regel nicht aus, um einen großflächigen Blackout zu verursachen.
Überwachung rund um die Uhr
Für den Schutz der Infrastruktur gibt es in Österreich eine klare Aufgabenverteilung. Die Austrian Power Grid (APG) verantwortet das überregionale Übertragungsnetz, während regionale Betreiber ihre lokalen Anlagen sichern. Besonders sensible Knotenpunkte wie Umspannwerke werden permanent überwacht. Moderne Zutrittsbarrieren, Alarmanlagen und Videoüberwachung sollen Unbefugte fernhalten. Die Hürden für Sabotageakte, die über lokale Störungen hinausgehen, sind laut Experten massiv, da hierfür neben krimineller Energie auch tiefgreifendes Fachwissen erforderlich wäre.
Zusammenarbeit mit dem Bundesheer
Hinter den Kulissen arbeitet die E-Wirtschaft eng mit den staatlichen Sicherheitsorganen zusammen. Im Rahmen des Programms zum Schutz kritischer Infrastruktur (APCIP) und des Resilienzniveaus-Gesetzes (RKEG) werden Bedrohungsszenarien laufend evaluiert. Diese Kooperation zwischen Netzbetreibern, Behörden und dem Bundesheer soll sicherstellen, dass Österreich auch auf hybride Bedrohungen und physische Angriffe vorbereitet ist.
Milliarden für die Versorgungssicherheit
Sicherheit ist ein dynamischer Prozess, der enorme finanzielle Mittel erfordert. Die heimische E-Wirtschaft investiert jährlich Milliardenbeträge in die Infrastruktur. Ein Fokus liegt dabei nicht nur auf der physischen Absicherung, sondern verstärkt auf dem Schutz vor Cyberangriffen. Barbara Schmidt stellt jedoch klar, dass man nicht jeden einzelnen Transformator im Land rund um die Uhr bewachen kann. Professionelle, gezielte Angriffe bleiben ein Restrisiko, das nie gänzlich ausgeschlossen werden kann.
Transparenz versus Geheimhaltung
Ein Dilemma für die Betreiber bleibt die Veröffentlichung von Daten. Während Kundenorientierung Transparenz verlangt, könnten zu detaillierte Informationen über Netzpläne eine Steilvorlage für Saboteure sein. Oesterreichs Energie mahnt hier eine ausgewogene Balance an. Zudem fordert die Interessenvertretung einen regulatorischen Rahmen, der die steigenden Kosten für Sicherheitsmaßnahmen abdeckt, damit die Versorgungssicherheit kein Zufallsprodukt bleibt.
Österreich verfügt über ein hochgradig resilientes Stromnetz, das durch technische Redundanz und enge Behördenkooperation gut geschützt ist. Die Vorfälle in Berlin zeigen jedoch, dass die Wachsamkeit nicht nachlassen darf. Kontinuierliche Investitionen in physische und digitale Sicherheit sowie eine Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedingungen sind essenziell, um das hohe Versorgungsniveau auch in Zeiten neuer Bedrohungslagen zu halten.
Quelle „Oesterreichs Energie“
Österreich unter Strom – Sicher in die Zukunft.
