Die Bundesregierung unter Kanzler Karl Nehammer setzt ab dem Jahr 2026 auf eine Reduktion der Elektrizitätsabgabe, um die belasteten Haushalte zu unterstützen.

Doch die Analyse der aktuellen Marktlage zeichnet ein ernüchterndes Bild: Während die Kosten für Energie seit 2019 um mehr als 70 Prozent in die Höhe geschnellt sind, wirkt die geplante steuerliche Entlastung eher wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. Für die breite Masse der Bevölkerung bleibt Strom ein Luxusgut, da tiefgreifende Eingriffe in die Preisgestaltung der Energiekonzerne bislang ausbleiben.

Geringe Ersparnis für Durchschnittshaushalte

Ein Blick auf die nackten Zahlen verdeutlicht das Dilemma. Ein typischer Vier-Personen-Haushalt sieht sich im Jahr 2025 mit einer durchschnittlichen Stromrechnung von 1.176 Euro konfrontiert. Die Senkung der Elektrizitätsabgabe sowie ein reduzierter Ökostrombeitrag resultieren in einer Ersparnis von lediglich rund 67 Euro pro Jahr – das entspricht einer Entlastung von gerade einmal 6 Prozent. Angesichts der massiven Teuerungswelle der vergangenen Jahre wird dieser Betrag von den meisten Konsumenten kaum als echte Erleichterung wahrgenommen werden.

Sozialtarif als wirksames Schutzschild

Wirklich spürbare Preisnachlässe gibt es nur dort, wo der Staat direkt in den Markt interveniert. Ab April 2026 greift für rund 290.000 Haushalte – darunter Mindestpensionisten und einkommensschwache Familien – ein spezieller Sozialtarif. Berechnungen des Momentum Instituts zeigen, dass diese staatlich regulierten Preise die Kosten um satte 40 Prozent senken können. Damit wird jedoch nur etwa jeder 14. Haushalt geschützt, während der Rest der Bevölkerung weiterhin den Marktschwankungen und der Preispolitik der Großkonzerne ausgeliefert bleibt.

Befristete Maßnahmen ohne Langzeitwirkung

Ein kritisches Element der Reform ist ihre zeitliche Befristung. Die Elektrizitätsabgabe sinkt zwar 2026, soll jedoch bereits 2027 wieder angehoben werden. Dieses Muster erinnert an die Strategien zwischen 2022 und 2024, als temporäre Senkungen und die Strompreisbremse den Preisschock nur kurzzeitig abfederten. Sobald diese Maßnahmen ausliefen, kehrte die Teuerung mit voller Wucht zurück. Ohne eine dauerhafte Reform der Preisbildung droht nach 2026 das nächste böse Erwachen für die österreichischen Haushalte.

Profite der Konzerne bleiben unangetastet

Das Kernproblem der hohen Energiekosten liegt laut Experten nicht in der Steuerlast, sondern in der Gewinnmaximierung der Stromproduzenten. Während viele Haushalte am Limit kalkulieren, verzeichnen heimische Energiekonzerne Milliardengewinne. Kritiker fordern daher eine grundlegende Reform der „Merit-Order“ oder ein Modell nach Schweizer Vorbild. In der Schweiz sind Versorger verpflichtet, günstig produzierten Strom auch preiswert an die Endkunden weiterzugeben. In Österreich hingegen bleiben die Rekordgewinne der Konzerne unangetastet, was die Wirksamkeit reiner Steuersenkungen massiv untergräbt.

Die Senkung der Elektrizitätsabgabe ist ein politisches Signal, das jedoch an der Lebensrealität der meisten Menschen vorbeigeht. Während der Sozialtarif für eine kleine Gruppe echte Linderung verschafft, bleibt Strom für den Großteil der Österreicher sowie für Gewerbebetriebe teuer. Solange die Bundesregierung keine strukturellen Eingriffe in die Preisbildung vornimmt und die Übergewinne der Konzerne nicht für eine allgemeine Preissenkung heranzieht, wird Energie ein Preistreiber bleiben. Wirkliche Entlastung braucht Mut zur Marktregulierung, nicht nur kosmetische Korrekturen im Budget.

Quelle „momentum-institut.at“

Österreich unter Strom: Teure Zeiten für helle Köpfe.

Von admin

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