Österreichs Schulen stehen vor einem massiven Umbruch. Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) hat mit seinem „Plan Z“ eine umfassende Reform angekündigt, um das System fit für die kommenden Jahrzehnte zu machen.
Um sicherzustellen, dass die Politik nicht an der Realität vorbeigeht, wurden im Jänner über 46.000 Betroffene – darunter Schüler, Eltern und Lehrkräfte – ausführlich befragt. Die nun präsentierten Ergebnisse des Meinungsforschungsinstituts Public Opinion Strategies unter der Leitung von Peter Hajek zeichnen ein deutliches Bild: Das aktuelle System wird den Anforderungen der modernen Welt nicht mehr gerecht.
Zeugnis für das System fällt mäßig aus
Die Zufriedenheit mit der Vorbereitung auf das spätere Leben ist alarmierend gering. Auf einer Skala von eins bis sechs vergeben die Schüler im Schnitt die Note 3,5. Noch kritischer sehen es die Pädagogen mit 3,8, während die Eltern mit einer 4,3 das Schlusslicht bilden. Dieses Urteil unterstreicht den dringenden Handlungsbedarf, den Minister Wiederkehr bereits im November artikuliert hatte. Das Bildungssystem wird von den direkt Beteiligten eher als Verwalter der Vergangenheit denn als Gestalter der Zukunft wahrgenommen.

Lehrpläne müssen dringend entrümpelt werden
Ein zentraler Punkt der Umfrage ist die Modernisierung der Lerninhalte. Eine überwältigende Mehrheit von 83 Prozent der Schüler fordert, veraltete Stoffgebiete zu streichen. Auch 74 Prozent der Eltern und 71 Prozent der Lehrkräfte schließen sich dieser Forderung an. Wiederkehr sieht sich hierbei in seinem Vorhaben bestätigt, Fächer wie Latein zeitlich zu kürzen, um dringend benötigten Platz für Zukunftsthemen wie Künstliche Intelligenz (KI) zu schaffen. Zudem wünschen sich die Befragten mehr individuelle Wahlmöglichkeiten bei Schwerpunkten sowie die Einführung einer fundierten Wirtschafts- und Finanzbildung.
Soziale Medien als größte Herausforderung
Überraschend deutlich fiel das Ergebnis bei der Frage nach den größten Belastungsfaktoren aus. Nicht etwa die Integration oder mangelnde Sprachkenntnisse stehen an erster Stelle, sondern der Einfluss sozialer Medien. Pädagogen bewerten diesen Faktor mit einem kritischen Wert von 5,3 auf der Belastungsskala. Die Auswirkungen auf die Konzentrationsfähigkeit und das Sozialverhalten werden von allen Gruppen als massiv eingestuft. Hier zeigt sich eine neue Frontlinie im Bildungsalltag, die weit über das klassische Klassenzimmer hinausreicht.
Fokus auf soziale Kompetenz und Denken
Trotz der unterschiedlichen Perspektiven herrscht Einigkeit darüber, was die Schule leisten muss. Ganz oben auf der Prioritätenliste stehen die Vermittlung sozialer Kompetenzen und die Förderung des kritischen Denkens. Diese Basisqualifikationen werden als essenziell angesehen, um in einer komplexer werdenden Welt bestehen zu können. Minister Wiederkehr betonte bei der Präsentation, dass diese Erkenntnisse nun direkt in den „Plan Z“ einfließen werden. Die finale Strategie soll bereits Ende März vorgestellt werden.
Die Umfrage zeigt ein Land, das bereit für eine Bildungsrevolution ist. Der Wunsch nach Relevanz, Praxisnähe und einem Schutzraum gegen die negativen Einflüsse der digitalen Welt eint Eltern, Lehrer und Schüler gleichermaßen. Christoph Wiederkehr hat nun das Mandat der Betroffenen in der Tasche, um den verstaubten Schulalltag nachhaltig zu lüften.
Quelle „heute.at“
Bildung neu denken für die Generation von morgen.
