Die Debatte um die Kosten bei privaten Arztbesuchen erreicht in Österreich einen neuen Siedepunkt. Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) hat Pläne vorgelegt, die das bisherige System der Wahlarzt-Honorare grundlegend umgestalten könnten.
Ziel des Ministeriums ist es, durch verbindliche Preisspannen für mehr Transparenz zu sorgen und Patienten vor unvorhersehbaren Kosten zu schützen. Doch die Reaktion aus der Standesvertretung und von Patientenschützern folgt prompt und fällt ungewohnt deutlich aus.
Ministerin forciert deutsches Modell
Der Kern des Vorstoßes aus dem Gesundheitsministerium ist eine Deckelung nach internationalem Vorbild. Korinna Schumann zieht hierbei direkte Vergleiche zu Deutschland. Dort ist gesetzlich verankert, dass Privatärzte maximal das Zweieinhalbfache jener Honorare verrechnen dürfen, die für Kassenleistungen vorgesehen sind. Schumann argumentiert, dass die derzeitigen Staffelungen bei vielen Untersuchungen für Laien kaum nachvollziehbar seien. Ein fixer Rahmen soll hier Abhilfe schaffen und die finanzielle Belastung für jene senken, die abseits des Kassennetzwerks medizinische Hilfe suchen.
Massive Kritik der Ärztekammer
In der Steiermark stößt dieser Plan auf massiven Widerstand. Michael Sacherer, Präsident der Steirischen Ärztekammer, spart nicht mit harten Worten und bezeichnet das Vorhaben der Ministerin als „Populismus“. Für Sacherer geht die Diskussion völlig an der Realität vorbei. Er betont, dass die wahren Baustellen im österreichischen Gesundheitssystem ganz woanders liegen. Laut dem Kammerpräsidenten müsse der Fokus primär darauf liegen, die kassenärztliche Versorgung wieder attraktiv zu gestalten und offene Kassenstellen zügig zu besetzen. Eine künstliche Debatte über Wahlarzt-Honorare würde lediglich von diesen strukturellen Problemen ablenken.
Patientenanwältin bezweifelt Notwendigkeit
Überraschende Rückendeckung erhalten die Ärzte von der steirischen Patientenanwältin Michaela Wlattnig. Sie warnt davor, die Berufsgruppe der Wahlärzte unter Generalverdacht zu stellen. Ein Honorardeckel würde suggerieren, dass Wahlärzte grundsätzlich unverhältnismäßig hohe Forderungen stellen würden. Wlattnig stellt klar, dass diese Annahme durch die Faktenlage nicht gedeckt ist: In ihrer täglichen Arbeit mit Beschwerden von Patienten spielen überhöhte Wahlarzt-Rechnungen praktisch keine Rolle. Im Gegenteil sieht sie die Privatmediziner mittlerweile als unverzichtbare Säule, um die Versorgungssicherheit im Land überhaupt noch aufrechtzuerhalten.
Fehlende Beschwerdewelle als Gegenargument
Auch die Daten der Ärztekammer stützen diese Einschätzung. Zuletzt seien keinerlei nennenswerte Beschwerden über die Preisgestaltung eingegangen. Während das Ministerium von mangelnder Nachvollziehbarkeit spricht, scheint die Akzeptanz in der Bevölkerung für das bestehende System höher zu sein als politisch angenommen. Die Experten sind sich einig: Bevor man in die Preisautonomie der Wahlärzte eingreift, sollte die Politik die Rahmenbedingungen für Kassenärzte so verbessern, dass der Ausgleich zwischen den Systemen auf natürlichem Wege erfolgt.
Der Schumann-Plan zur Deckelung der Wahlarzt-Honorare sorgt für Zündstoff. Während die Politik auf Regulierung und Transparenz setzt, sehen Praktiker und Patientenvertreter darin einen Angriff auf eine funktionierende Versorgungsstruktur. Die Fronten zwischen Ministerium und Ärzteschaft bleiben verhärtet, da die Kernfrage – die Attraktivierung des Kassensystems – weiterhin unbeantwortet bleibt.
Quelle“heute.at“
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