Angesichts der jüngsten Eskalationen im Nahen Osten und der Sorge vor globalen Lieferengpässen trat Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) am Dienstag vor die Presse. Seine zentrale Botschaft: Österreich ist auf mögliche Krisenszenarien vorbereitet und verfügt über robuste Reserven, die eine stabile Versorgung gewährleisten.
Versorgungssicherheit im europäischen Spitzenfeld

Der Minister betonte, dass Österreich im internationalen Vergleich hervorragend aufgestellt sei. Mit einer technischen Gasspeicherkapazität von rund 100 TWh verfügt das Land über ein Volumen, das den gesamten Vorjahresverbrauch von 80,4 TWh deutlich übersteigt. Solche Kapazitäten sind europaweit eine Seltenheit und werden laut Hattmannsdorfer nur noch von Lettland und der Ukraine erreicht. Aktuell sind die Speicher zu 36 Prozent gefüllt, was einer strategischen Reserve von 20 TWh entspricht – genug, um zwei extrem kalte Wintermonate autark zu überbrücken.

Unabhängigkeit durch erfolgreiche Diversifizierung

Ein wesentlicher Pfeiler der aktuellen Stabilität ist die Abkehr von einseitigen Abhängigkeiten. Seit 2022 wurde die Diversifizierung der Bezugsquellen massiv vorangetrieben. Österreich bezieht heute 69 Prozent seines Gases über Deutschland und 31 Prozent aus Italien. Beim Flüssigerdgas (LNG) dominieren die USA mit 60 Prozent Marktanteil in der EU, gefolgt von Katar mit 15 Prozent. Wichtig für die aktuelle Lage: Aus dem Iran bezieht Österreich weder Gas noch Rohöl. Auch im Ölsektor ist man durch Notstandsreserven für 90 Tage abgesichert.

Globale Logistik und die Straße von Hormus

Trotz der guten Bevorratung bleibt die geopolitische Lage angespannt. WIFO-Ökonom Harald Oberhofer wies darauf hin, dass rund 16 Prozent der österreichischen Rohölimporte den Weg durch die Straße von Hormus nehmen. Eine dauerhafte Blockade dieser Meerenge durch den Iran würde zwar kein Versorgungsloch reißen, könnte aber die Preise weltweit nach oben treiben. Oberhofer gab jedoch zu bedenken, dass weder die USA noch China ein Interesse an explodierenden Energiekosten hätten und entsprechend politischen oder wirtschaftlichen Druck auf die Region ausüben dürften.

Taskforce überwacht Energiemarkt und Preise

Um schnell auf Preisschwankungen reagieren zu können, hat das Wirtschaftsministerium eine Taskforce ins Leben gerufen. Experten von WIFO, ASCII, E-Control und der WKO führen ein tägliches Marktmonitoring durch und analysieren Lieferketten sowie volkswirtschaftliche Auswirkungen. Zusätzlich wurde das Institut für Höhere Studien (IHS) beauftragt, die laufende Sonderuntersuchung der Treibstoffpreise zu erweitern. Ziel ist es, sicherzustellen, dass sinkende Weltmarktpreise auch tatsächlich bei den österreichischen Konsumenten ankommen.

Österreich profitiert heute von den vorausschauenden Investitionen in Speicherinfrastruktur und der Diversifizierung seiner Lieferanten. Während die physische Versorgungssicherheit außer Frage steht, bleibt die Preisentwicklung das kritische Element, das von der neuen Taskforce engmaschig kontrolliert wird. Die heimische Wirtschaft und die privaten Haushalte können vorerst aufatmen.

Quelle“heute.at“

Sicherheit durch Vorsorge für ein stabiles Österreich.

Von admin

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