Die Infrastruktur Österreichs ist erstklassig: Von den Alpenbahnen bis hin zu den Wiener Kliniken wird alles durch die Gemeinschaft finanziert.
Doch während Arbeitnehmer und lokale Betriebe ihren Beitrag leisten, nutzen multinationale Konzerne das System, ohne die Zeche zu zahlen. Die nackten Zahlen für das Jahr 2025 sind alarmierend.
Die bittere Bilanz der Gewinnverschiebung
Fast jeder zehnte Euro an Unternehmenssteuern erreicht nie das österreichische Finanzamt. Stattdessen landet das Geld in den Taschen wohlhabender Eigentümer und Aktionäre. Für Österreich bedeutet das im Jahr 2025 einen massiven Verlust: Satte 1,3 Milliarden Euro an Körperschaftsteuer fließen an der Staatskasse vorbei. Um das Bild zu verdeutlichen: Erst ab dem 5. Februar beginnen Großkonzerne rechnerisch damit, tatsächlich Gewinnsteuern in Österreich abzuführen. Die Zeit davor ist für sie quasi steuerfrei.
Briefkästen statt Betriebsstätten
Die Methoden sind so bekannt wie perfide. Patente, Markenrechte oder Lizenzen werden künstlich in Länder mit Niedrigsteuersätzen verschoben. An den offiziellen Firmensitzen in diesen Steueroasen findet man oft keine einzige Maschine und keinen einzigen Angestellten – nur einen Briefkasten. Ein Heer von spezialisierten Anwälten organisiert dieses „abgekartete Spiel“ für hunderte Unternehmen gleichzeitig. Während der lokale Bäcker oder Installateur jeden Cent versteuern muss, steht dieser Luxus der Steuervermeidung nur den Global Playern offen.
Europäische Steuersümpfe direkt vor der Tür
Man muss nicht in die Karibik reisen, um Steueroasen zu finden. Eine einfache Zugfahrt innerhalb der EU genügt. Über eine Milliarde Euro der in Österreich erwirtschafteten Gewinne wanderten im letzten Jahr in andere EU-Mitgliedstaaten ab. Die bevorzugten Ziele der Konzerne sind dabei Irland, die Schweiz und die Benelux-Staaten. Hier werden die Gewinne zu Konditionen versteuert, von denen heimische Mittelständler nur träumen können.
Das Wackeln der globalen Mindeststeuer
Eigentlich sollte die von den OECD-Staaten beschlossene globale Mindeststeuer von 15 Prozent dem Treiben ein Ende setzen. Österreich hat diese Regelung Ende 2023 beschlossen und setzt sie seit 2024 schrittweise um. Doch der Erfolg ist fragwürdig. Der Steuersatz ist niedrig und die Schlupflöcher sind zahlreich. Ein herber Rückschlag erfolgte durch die US-Politik: Donald Trump kündigte direkt an seinem ersten Amtstag die Unterstützung der USA für das Abkommen auf. Seit diesem Jahr sind US-Unternehmen faktisch von der globalen Mindestbesteuerung ausgenommen – ein Freibrief für Tech-Giganten, weiterhin kaum Steuern in Europa zu zahlen.
Forderung nach konsequenter Steuergerechtigkeit
In Zeiten, in denen über Sparpakete und Kürzungen bei öffentlichen Leistungen diskutiert wird, wirkt die steuerliche Bevorzugung von Großkonzernen wie ein Affront. Experten fordern nun ein Umdenken. Die Senkung der Körperschaftsteuer von 25 auf 23 Prozent wird zunehmend als unnötiges Steuergeschenk kritisiert. Das Ziel muss klar sein: Wer in Österreich Gewinne erwirtschaftet, muss diese auch hier fair und ohne Ausnahmen versteuern. Der Kampf um ein gerechtes Steuersystem hat gerade erst begonnen.
Die systematische Steuervermeidung durch multinationale Konzerne entzieht dem österreichischen Staat jährlich Milliarden, die für Bildung, Gesundheit und Infrastruktur fehlen. Trotz internationaler Bemühungen wie der 15-prozentigen Mindeststeuer verhindern politische Alleingänge und komplexe Schlupflöcher eine echte Fairness. Eine Rückkehr zu höheren Steuersätzen für profitable Großbetriebe und ein Ende der Ausnahmeregelungen sind unumgänglich, um die soziale Balance zu wahren.
Quelle „momentum institut“
Gleiche Regeln für alle statt Profite ohne Steuern.