Die Zapfsäulen in Österreich glühen. Während die 2-Euro-Marke bei Diesel bereits in den ersten Wiener Bezirken gefallen ist, wächst die Sorge vor einer neuen Inflationswelle. WIFO-Chef Gabriel Felbermayr analysiert die Lage nüchtern, lässt aber mit einer deutlichen Warnung aufhorchen.
Schmerzgrenze an der Zapfsäule erreicht
Der Preisschock ist keine düstere Prognose mehr, sondern Realität. In der Wiener Donaustadt knackte der Dieselpreis bereits am Wochenende die psychologisch wichtige Marke von 2 Euro. Bundesweit liegt der Median für Diesel aktuell bei 1,894 Euro, während Super 95 im Schnitt 1,689 Euro kostet. Die Ursache liegt in der geopolitischen Eskalation des US-israelischen Konflikts gegen den Iran, der die Energiemärkte weltweit in Unruhe versetzt.
Felbermayr sieht kritische Zone
Im ORF-Gespräch stellte Gabriel Felbermayr klar, dass die aktuelle Entwicklung zwangsläufig an den Tankstellen spürbar bleibt. Besonders besorgniserregend: Ein Fünftel der weltweiten Ölproduktion ist durch die Kampfhandlungen beeinträchtigt. Sollte dieser Zustand anhalten, droht ein Anstieg auf 120 Dollar pro Fass. Für Felbermayr ist die Lage ab einem dauerhaften Preis von über 2 Euro pro Liter Diesel „relativ schnell kritisch“.
Markteingriffe als letztes Mittel
Trotz des rasanten Anstiegs mahnt der Experte zur Besonnenheit. Die schwarz-rot-pinke Bundesregierung hält sich Optionen offen, doch Felbermayr warnt vor verfrühten Schritten. Er verweist auf gescheiterte Modelle in der Nachbarschaft: Der ungarische Preisdeckel führte zu massiven Warteschlangen, und der deutsche Tankrabatt entlastete am Ende eher die Konzerne als die Bürger, während er das Budget massiv belastete.
Lehren aus der Vergangenheit
Der Ökonom, der seit Kurzem auch die deutsche Bundesregierung berät, betont die politische Relevanz des Spritpreises. Ein „Durchrauschen-Lassen“ der Inflation wie in den Jahren 2022 und 2023 dürfe sich nicht wiederholen. Dennoch stützt er die vorsichtige Linie von IHS-Direktor Holger Bonin. Dieser riet in der ZIB2 dazu, das „Pulver nicht zu früh zu verschießen“, da die Dauer des Konflikts und seine Auswirkungen auf die Realwirtschaft noch schwer absehbar sind.
Österreich steht an einem energetischen Wendepunkt. Während Autofahrerklubs wie ÖAMTC und ARBÖ bereits lautstark staatliche Eingriffe fordern, plädieren die Top-Ökonomen des Landes für eine abwartende Strategie bis zur 2-Euro-Schallmauer. Entscheidend wird sein, ob die Regierung im Ernstfall treffsichere Maßnahmen findet, die nicht – wie in Ungarn oder Deutschland – nach wenigen Monaten verpuffen oder das Marktgefüge zerstören.
Quelle“heute.at“
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