Die österreichische Bundesregierung aus ÖVP, SPÖ und Neos hat ein neues Instrument gegen die Rekordpreise an den Zapfsäulen präsentiert.

Ab Montag dürfen Tankstellenbetreiber ihre Preise nur noch dreimal wöchentlich erhöhen – konkret am Montag, Mittwoch und Freitag. Während die Politik von einer Beruhigung des Marktes spricht, schlägt die Branche laut Alarm.

Orlen-Chef warnt vor dem Risiko-Aufschlag

Jürgen Stichenwirth, Geschäftsführer von Orlen Austria und somit Verantwortlicher für das Netz der rund 260 Turmöl-Tankstellen im Land, sieht in der Verordnung eine Gefahr für die Autofahrer. Aus der Welser Zentrale steuert er eines der größten privaten Tankstellennetze Österreichs und warnt davor, dass der Schuss nach hinten losgehen könnte. Laut Stichenwirth wird die Preisgestaltung durch die zeitliche Einschränkung zu einem riskanten Ratespiel für die Konzerne.

Präventive Erhöhungen statt Markttransparenz

Bisher konnten Tankstellen ihre Preise täglich an die Schwankungen des Weltmarktes anpassen. Fällt diese Flexibilität weg, müssen Betreiber laut dem Öl-Manager kalkulatorische Vorsorge treffen. Wenn die Preise am Weltmarkt zwischen den erlaubten Erhöhungstagen steigen, entsteht den Firmen ein Verlust, den sie nicht unmittelbar ausgleichen können. Die Folge: Um sich abzusichern, könnten die Preise an den Stichtagen deutlich kräftiger angehoben werden, als es die aktuelle Marktlage eigentlich erfordern würde. Ein Sicherheitsaufschlag auf Kosten der Konsumenten scheint vorprogrammiert.

Der Frust an der Zapfsäule wächst

Die Zahlen belegen den Ernst der Lage. Innerhalb nur eines Monats sind die Preise für Treibstoffe um rund ein Drittel in die Höhe geschossen. Bei einem österreichweiten Durchschnittspreis von über 1,90 Euro pro Liter Diesel ist die Belastungsgrenze für viele Pendler und Transportunternehmen längst erreicht. Stichenwirth zeigt im Gespräch Verständnis für den Unmut der Bevölkerung, sieht jedoch in der aktuellen Strategie der Koalition keinen echten Hebel, um die Kosten nachhaltig zu senken. Da auf eine direkte Senkung der Mineralölsteuer oder eine echte Preisbremse verzichtet wurde, bleibt der Rohölmarkt der dominierende Faktor.

Faktencheck und Marktdynamik

Kritiker der neuen Regelung geben zu bedenken, dass eine künstliche Verknappung der Preisanpassungsfenster in einem volatilen Marktumfeld selten zu niedrigeren Endkundenpreisen führt. Da die Kosten für Rohöl weiterhin massiv schwanken, werden die Konzerne ihre Margen durch „vorgelagerte Optimierungen“ schützen. Das bedeutet, dass der Konsument am Montag bereits für die Preissteigerungen bezahlt, die für Dienstag erst erwartet werden.

Die Deckelung der Erhöhungsintervalle ist ein politisches Signal, das in der Praxis jedoch zu höheren Sicherheitsmargen führen könnte. Ohne eine Reduktion der Steuerlast oder direkte Eingriffe in die Preisbildung bleibt die Entlastung für Österreichs Autofahrer wohl ein bloßes Lippenbekenntnis. Der Markt wird die starren Vorgaben vermutlich durch antizipierte Preissprünge umgehen.

Quelle „heute.at“

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Von admin

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