Das rosa Leuchten in den Gewürzregalen der Welt suggeriert unberührte Berggipfel und tibetische Höhenluft. Doch der Name des beliebten Speisesalzes ist irreführend. Tatsächlich stammt das sogenannte Himalaya-Salz aus einer Region, die hunderte Kilometer vom höchsten Gebirge der Welt entfernt liegt.
Ursprung im Potohar-Plateau
Die wahre Heimat des rosa Exportschlagers ist Pakistan. Die weltweit größte Lagerstätte, die Khewra-Salzmine, befindet sich in der Provinz Punjab auf dem sogenannten Potohar-Plateau. Geografisch liegt dieses Gebiet etwa 250 Kilometer westlich des eigentlichen Himalaya-Massivs. Dass das Produkt dennoch unter dem Namen des Hochgebirges vermarktet wird, gilt als einer der erfolgreichsten Marketing-Schachzüge der Lebensmittelindustrie.
Mythos gegen Wissenschaft
Wellness-Unternehmen und Influencer schreiben dem rosa Salz fast magische Kräfte zu. Es soll den Blutzucker regulieren, den Schlaf fördern und den Körper entgiften. Wissenschaftliche Belege für diese gesundheitlichen Vorteile fehlen jedoch weitgehend. Experten betonen, dass es sich chemisch gesehen primär um Natriumchlorid handelt, wobei die charakteristische rosa Farbe lediglich durch Eisenoxid-Verunreinigungen entsteht. Dennoch ist das Produkt im Handel oft bis zu 30-mal teurer als herkömmliches Kochsalz.
Harter Alltag unter Tage
Hinter dem Lifestyle-Produkt steckt ein gefährlicher Industrieprozess. In der Khewra-Mine wird das Salz in einem riesigen Tunnelsystem abgebaut, das sich über 17 Ebenen und rund 40 Kilometer erstreckt. Arbeiter wie jene in der Ittefaq-Salzanlage setzen auf eine Mischung aus Tradition und moderner Technik. Mit Sprengstoff werden riesige Blöcke aus dem Fels gelöst, die teilweise über 770 Kilogramm wiegen. Nach jeder Sprengung riskieren die Bergleute ihr Leben, wenn sie die Tunnel auf Fehlzündungen oder instabile Decken kontrollieren.
Wandel am Weltmarkt
Lange Zeit war Pakistan lediglich Rohstofflieferant. Ein Großteil des Salzes wurde billig nach Indien exportiert, dort veredelt und als Premiumprodukt – oft mit dem Label „Made in India“ – teuer weiterverkauft. Seit den politischen Spannungen im Jahr 2019 und dem Handelsstopp zwischen den beiden Ländern hat Pakistan seine Strategie geändert. Das Land investiert massiv in eigene Verarbeitungsanlagen, um die Wertschöpfung im eigenen Land zu halten.
Wirtschaftliche Zukunft
Die Reserven in Pakistan sind gigantisch. Allein die Mine in Khewra produziert jährlich rund 400.000 Tonnen. Bei der aktuellen Förderquote reichen die Vorkommen noch für Jahrhunderte. Für Pakistan ist das rosa Gold eine der wichtigsten Ressourcen, um sich auf dem globalen Markt als Produzent hochwertiger Fertigwaren zu etablieren, statt nur günstiges Rohsalz zu liefern.
Himalaya-Salz ist ein Kind geschickten Marketings und harter pakistanischer Bergbauarbeit. Während der gesundheitliche Mehrwert fragwürdig bleibt, sichert der globale Boom tausende Arbeitsplätze in der Region Punjab und wandelt Pakistan vom Rohstoffexporteur zum ernstzunehmenden Player am internationalen Genussmarkt.
Quelle „businessinsider.de“
Rosa Gold aus Fernost statt Gipfelgruß vom Everest.