Ungarn erlebt eine politische Zeitenwende von historischem Ausmaß. Bei der aktuellen Parlamentswahl zeichnet sich ein Machtwechsel ab, der die jahrzehntelange Dominanz von Viktor Orbán beenden könnte.
Sein Herausforderer Péter Magyar, der Kopf der TISZA-Partei, baut seinen Vorsprung mit jeder ausgezählten Stimme weiter aus und steuert auf einen Erdrutschsieg zu.
Rekordbeteiligung an den Urnen
Schon früh am Wahltag zeichnete sich ab, dass dieses Mal alles anders ist. Die Ungarn stürmten förmlich die Wahllokale. Mit einer Beteiligung von knapp 80 Prozent wurde ein neuer historischer Höchststand erreicht. Wer um 19 Uhr noch in der Schlange stand, durfte seine Stimme abgeben, was die erste Auszählung leicht verzögerte. Insgesamt waren 7,5 Millionen Bürger im Inland sowie über eine halbe Million Auslandswähler zur Stimmabgabe aufgerufen.
Der dramatische Umschwung
Die ersten Zahlen des Abends sorgten noch für eine kurze Atempause im Lager der Regierungspartei Fidesz. Bei einem Auszählungsgrad von drei Prozent lag Viktor Orbán mit 48 Prozent knapp vor Péter Magyar, der bei 43 Prozent startete. Doch das Blatt wendete sich rasant. Bereits bei sechs Prozent der ausgezählten Stimmen übernahm Magyar die Führung. Seitdem kennt der Trend nur eine Richtung: weg vom amtierenden Regierungschef, hin zum ehemaligen Weggefährten.
Vorsprung wächst auf 13 Prozent
Mit dem Fortschreiten der Auszählung verfestigte sich das Bild eines politischen Erdrutschsieg. Bei einem Stand von 31 Prozent der Stimmen liegt Péter Magyar nun bei beeindruckenden 52 Prozent, während Viktor Orbán auf 39 Prozent zurückfällt. Dieser Vorsprung von 13 Prozentpunkten spiegelt den Wunsch vieler Ungarn nach einem Kurswechsel wider. Magyar, der das Land von Korruption befreien und wieder fest in der Europäischen Union verankern will, scheint den Nerv der Bevölkerung getroffen zu haben.
Griff nach der Zweidrittelmehrheit
Besonders brisant ist die Verteilung der Mandate. Durch das ungarische Wahlsystem, das eine Mischung aus Verhältnis- und Mehrheitswahlrecht ist, könnte die TISZA-Partei sogar die verfassungsgebende Zweidrittelmehrheit erreichen. Damit wäre Magyar in der Lage, die von Orbán über 16 Jahre hinweg installierten Verfassungsänderungen der „illiberalen Demokratie“ im Alleingang rückgängig zu machen.
Orbán signalisiert Anerkennung
Trotz der drohenden Niederlage gab sich Viktor Orbán am Wahlabend staatsmännisch. Er betonte, dass die Entscheidung des Volkes in jedem Fall respektiert werden müsse. Dennoch könnte es noch Tage dauern, bis das amtliche Endergebnis feststeht. Vor allem die Stimmen der Auslandswähler, die persönlich in den Konsulaten abgegeben wurden, könnten bei knappen Wahlkreisen erst am kommenden Samstag für letzte Klarheit sorgen.
Ungarn steht vor einer Zäsur. Péter Magyar ist es gelungen, die jahrelange Vormachtstellung von Viktor Orbán zu brechen und eine Massenbewegung zu entfachen. Sollte sich der Trend der Zweidrittelmehrheit bestätigen, wird in Budapest kein Stein auf dem anderen bleiben. Die proeuropäische Wende ist zum Greifen nah.
Quelle“heute.at“
Stimme des Volkes Kraft der Veränderung