Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten erreichen eine neue Eskalationsstufe, die nun auch die wirtschaftliche Stabilität Österreichs bedroht.
Johannes Kopf, der Vorstand des Arbeitsmarktservice (AMS), zeichnete am Samstag in der Ö1-Reihe „Journal zu Gast“ ein düsteres Bild für den heimischen Arbeitsmarkt. Sollte sich der Konflikt rund um den Iran zu einem langwierigen Krieg entwickeln, sieht Kopf Österreich vor einer harten wirtschaftlichen Bewährungsprobe.
Wirtschaftliche Gefahr durch Instabilität
Johannes Kopf bezeichnet die aktuelle Lage als eine veritable und ernstzunehmende Situation. Die größte Sorge gilt dabei den Auswirkungen auf die globalen Märkte, die Österreich direkt treffen könnten. Der AMS-Chef warnt deutlich, dass das Land bei einer langanhaltenden Krise tiefer in die Rezession schlittern wird. Damit rückt die Stabilität der vergangenen Monate in weite Ferne, während die Unsicherheit bei Unternehmen und Beschäftigten wächst.
Rückkehr der Kurzarbeit als Notfallplan
Um auf eine drohende Rezession zu reagieren, bringt Kopf bewährte Instrumente der Arbeitsmarktpolitik ins Gespräch. Er schließt nicht aus, dass Maßnahmen wie die Kurzarbeit erneut großflächig zum Einsatz kommen müssen. Selbst bei namhaften Unternehmen wie der Austrian Airlines (AUA) könnte dieses Modell wieder aktuell werden. Kopf betont jedoch, dass hohe Energiepreise allein derzeit noch kein ausreichender Grund für staatliche Stützungen seien; es bedarf einer fundierten Krisenlage.
Demografie und Künstliche Intelligenz
Neben den aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen identifiziert der AMS-Chef zwei weitere Megatrends, die den Arbeitsmarkt fundamental umgestalten. Einerseits sorgt der demografische Wandel für regionale Verwerfungen: Während die Bundeshauptstadt Wien weiter wächst, droht vielen ländlichen Regionen ein Bevölkerungsrückgang. Andererseits steht durch die Künstliche Intelligenz eine Riesenveränderung bevor. Kopf rechnet damit, dass Hunderttausende Jobs herkömmlicher Art verloren gehen könnten.
Chancen durch Bildung und Reformen
Trotz der Warnungen sieht Johannes Kopf auch Lichtblicke. In der fortschreitenden Digitalisierung werden neue Berufe entstehen, die heute noch gänzlich unbekannt sind. Der Schlüssel zur Bewältigung dieses Wandels liege in einer massiven Offensive bei der Aus- und Weiterbildung. Zudem verbucht das AMS einen Erfolg bei der jüngsten Reform der Zuverdienstgrenzen. Die Zahl der geringfügig Beschäftigten während der Arbeitslosigkeit sank stark, da viele Betroffene den Sprung in eine vollversicherte Festanstellung geschafft haben.
Österreich steht an der Schwelle zu einer schwierigen Phase. Während globale Konflikte das Risiko einer Rezession erhöhen, zwingen technologische Umbrüche und der demografische Wandel das Land zu einer radikalen Anpassung der Arbeitsmarktstrategien. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die sozialen Sicherungssysteme und die Reformkraft der Politik ausreichen, um den drohenden Sturm abzufedern.
Quelle „heute.at“
AMS aktuell: Ausbildung als Anker in stürmischen Zeiten.