Das mit Spannung erwartete Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping in Peking ist zu Ende gegangen.
Hinter der Fassade aus prunkvollen Staatsbanketten und symbolträchtigen Spaziergängen verbirgt sich jedoch eine politische Bilanz, die Fragen offenlässt. Während die persönliche Chemie zwischen den beiden mächtigsten Männern der Welt demonstrativ zur Schau gestellt wurde, blieben handfeste Durchbrüche in den kritischen Streitfragen wie Taiwan, Iran und dem technologischen Wettrüsten weitgehend aus.
Historische Kulisse für moderne Machtpolitik
Es war ein Empfang der Superlative. Donald Trump kehrte erstmals seit 2017 nach China zurück und wurde von Xi Jinping mit einem Programm empfangen, das den Anspruch Chinas als Weltmacht unterstrich. Ein besonderer Moment war der gemeinsame Besuch des 600 Jahre alten Himmelstempels, wo einst Kaiser für gute Ernten beteten – eine Geste, die Respekt und Stabilität signalisieren sollte. Begleitet wurde der US-Präsident von einer hochkarätigen Wirtschaftsdelegation, zu der prominente Namen wie Elon Musk (Tesla) und Jensen Huang (Nvidia) gehörten. Auch Trumps Sohn Eric war Teil der Entourage. Auffallend war hingegen die Abwesenheit von Melania Trump, die aufgrund unaufschiebbarer Termine in Washington blieb und erst im September beim Gegenbesuch im Weißen Haus auf Chinas First Lady Peng Liyuan treffen wird.
Wirtschaftlicher Deal oder nur ein Tropfen auf den heißen Stein
Im Zentrum der Gespräche stand der massive Handelskonflikt, der die Weltmärkte im vergangenen Jahr durch Zölle von bis zu 145 Prozent erschüttert hatte. Ein greifbares Ergebnis des Gipfels ist die Ankündigung Chinas, 200 Boeing-Flugzeuge zu kaufen. Doch selbst dieser Milliarden-Deal hinterlässt einen faden Beigeschmack, da Experten im Vorfeld mit einer Bestellung von bis zu 500 Maschinen gerechnet hatten. US-Finanzminister Scott Bessent und Chinas Vizepremier He Lifeng arbeiteten zwar an der Einrichtung neuer Handels- und Investitionsausschüsse, doch formelle Protokolle zur dauerhaften Senkung der Zölle blieben vorerst aus. Trump selbst sorgte nach seiner Abreise für Verwirrung, als er erklärte, über Zölle gar nicht explizit gesprochen zu haben.
Sicherheitsfragen und die Sorge um Taiwan
Besonders sensibel gestalteten sich die Gespräche über die geopolitischen Brennpunkte. Während das US-Team von Zusagen Chinas zur Befriedung des Nahen Ostens und der Öffnung der Straße von Hormus berichtete, hielt sich Peking in seinen offiziellen Statements auffallend bedeckt. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums betonte lediglich die allgemeine Notwendigkeit eines Friedens im Iran-Konflikt.
Das heikelste Thema blieb Taiwan. Xi Jinping warnte Trump eindringlich, dass ein falscher Umgang mit der Taiwan-Frage zu einem direkten Konflikt führen könne. Er forderte ein Ende der US-Waffenlieferungen an die Inselrepublik. Donald Trump reagierte darauf mit seiner gewohnt unkonventionellen Rhetorik. Er weigerte sich, eine klare Zusage zur Verteidigung Taiwans zu geben, und verwies stattdessen auf die geografische Distanz.
Die rhetorische Falle von Thukydides
In den prunkvollen Gärten von Zhongnanhai wurde nicht nur über Warenströme, sondern auch über Weltanschauungen diskutiert. Xi Jinping sprach warnend von der „Thukydides-Falle“ – jener Theorie, nach der ein Krieg zwischen einer aufstrebenden und einer etablierten Macht fast unvermeidlich sei. Er beschrieb die aktuelle Weltlage als einen Umbruch, wie er seit einem Jahrhundert nicht stattgefunden habe. Trump konterte auf seine Weise in den sozialen Medien: Xi habe Amerika zwar „elegant als Nation im Niedergang“ bezeichnet, doch dies bezöge sich laut Trump nur auf die Ära seines Vorgängers Joe Biden.
Künstliche Intelligenz und künftige Stabilität
Ein weiterer Punkt auf der Agenda war der Umgang mit künstlicher Intelligenz. Finanzminister Scott Bessent kündigte ein Protokoll an, das den Zugriff nichtstaatlicher Akteure auf leistungsstarke KI-Modelle einschränken soll. Dies unterstreicht die wachsende Bedeutung der Technologie im globalen Machtgefüge. Trotz der freundschaftlichen Gesten bleibt die „konstruktive strategische Stabilität“, die Xi Jinping anstrebt, ein fragiles Konstrukt. Die USA und China verfolgen weiterhin grundlegend unterschiedliche Strategien für die globale Vorherrschaft.
Der Gipfel in Peking war ein Meisterwerk der Inszenierung, lieferte aber in den harten politischen Sachfragen nur wenig Substanz. Die Verlängerung der Waffenruhe im Handelskrieg ist noch nicht in trockenen Tüchern, und die Differenzen bei Taiwan und der Sicherheitspolitik bleiben tiefgreifend. Donald Trump setzt auf kurzfristige wirtschaftliche Erfolge, um seine Wählerbasis vor den Zwischenwahlen im November zu stärken, während Xi Jinping das langfristige Ziel verfolgt, die amerikanische Dominanz in der Weltordnung herauszufordern. Die Welt blickt nun auf den September, wenn der Dialog im Weißen Haus fortgesetzt werden soll.
Izvor „heute.at“
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