Ein Vorstoß aus der Politik sorgt derzeit für erhebliche Unruhe unter Österreichs Beschäftigten.
Tirols Landeshauptmann Anton Mattle fordert eine Reform des Pensionssystems: Ein Pensionsantritt soll künftig erst ab einem Alter von 65 Jahren sowie nach dem Nachweis von mindestens 45 Versicherungsjahren möglich sein.
Eine aktuelle Analyse des Momentum Instituts verdeutlicht nun die drastischen Auswirkungen, die ein solches Modell für die Bevölkerung hätte.
Zwei Drittel erreichen die Schwelle nicht
Die Zahlen des Momentum Instituts zeichnen ein klares Bild. Zwei Drittel der Menschen, die im Jahr 2025 in Pension gegangen sind, verfügten zum Zeitpunkt ihres Antritts nicht über die geforderten 45 Versicherungsjahre. Konkret bedeutet dies, dass von den insgesamt Betroffenen dieses Jahrgangs 44.037 Personen länger im Erwerbsleben hätten verbleiben müssen. Aufgeteilt nach Geschlechtern betrifft dies 19.620 Männer sowie 24.417 Frauen.
Im Durchschnitt fehlten den Betroffenen des Jahres 2025 noch 63 Versicherungsmonate, was einem Zeitraum von 5,3 Jahren entspricht. Bei den Männern belief sich die Lücke im Schnitt auf 43 Monate beziehungsweise 3,6 Jahre. Bei den Frauen lag das Defizit bei 90 Monaten, was 7,5 Jahren entspricht.
Frauen besonders stark betroffen
Die Auswertung zeigt erhebliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Bei den Männern konnten 46 Prozent – das entspricht 17.009 Personen – die Vorgabe von 45 Versicherungsjahren beim Pensionsantritt vorweisen. 54 Prozent hätten hingegen weitere Arbeitsjahre benötigt. Ein Fünftel der Männer hätte mindestens elf zusätzliche Jahre arbeiten müssen, während acht Prozent – umgerechnet 2.756 Männer – sogar mehr als 20 weitere Jahre benötigt hätten.
Noch deutlicher fällt die Hürde bei den Frauen aus. Lediglich 18 Prozent beziehungsweise 5.487 Frauen erreichten die 45 Versicherungsjahre. Für 82 Prozent wären zusätzliche Zeiten erforderlich gewesen. Fast ein Drittel der Frauen hätte noch mindestens elf Jahre im Erwerbsleben verbleiben müssen, und bei zwölf Prozent – das sind 3.675 Frauen – fehlten mehr als 20 Jahre.
Kritik an Erhöhung durch die Hintertür
Gegen diese Pläne regt sich deutlicher Widerstand von Expertenseite. Nicolas Prinz, Ökonom beim Momentum Institut, warnt vor den Konsequenzen dieser Maßnahme. Die Pflicht zur Erbringung von 45 Versicherungsjahren komme faktisch einer Anhebung des Pensionsantrittsalters durch die Hintertür gleich.
Ein zentrales Problem bestehe darin, dass Personen kurz vor der Pension die höchste Arbeitslosenquote aller Altersgruppen aufweisen. Wenn die Politik das Antrittsalter anhebe, ohne den Arbeitsmarkt entsprechend vorzubereiten und Unternehmen zur Erhaltung älterer Arbeitsplätze zu verpflichten, drohe vielen Betroffenen vor dem Ruhestand die Langzeitarbeitslosigkeit.
Bisherige Anhebung zeigt Schwachstellen
Das Momentum Institut zieht zudem eine kritische Bilanz der schrittweisen Anhebung des Frauenpensionsalters von 60 Jahren, die seit drei Jahren läuft. In diesem Zeitraum stieg die Beschäftigung der 60- bis 64-jährigen Frauen zwar um 52.408 Personen an. Gleichzeitig erhöhte sich jedoch die Gesamtarbeitslosigkeit um 53.620 Personen.
Begründet wird diese Entwicklung mit der schwachen Wirtschaftslage. Da ältere Beschäftigte später in Pension gehen können, verbleiben sie länger auf ihren Stellen, während gleichzeitig neue Arbeitsplätze fehlen. Dies gehe zu Lasten von Berufseinsteigern, Arbeitssuchenden im Haupterwerbsalter sowie älteren Frauen, die statt des Pensionsantritts in der Arbeitslosigkeit verharren.
Forderungen nach Arbeitsmarktmaßnahmen
Um soziale Härten abzufangen, fordert das Momentum Institut primär Anpassungen auf dem Arbeitsmarkt. Vorgeschlagen wird unter anderem ein Bonus-Malus-System für Unternehmen, um diese dazu zu bewegen, ältere Mitarbeiter anzustellen und bis zur Pensionierung im Betrieb zu halten. Darüber hinaus seien Maßnahmen für altersgerechtes Arbeiten erforderlich. Ohne diese Vorkehrungen seien Erwerbsbiografien bis in ein hohes Alter von 85 Jahren für die breite Masse unrealistisch.
Die Verknüpfung des Pensionsantritts mit 45 Pflichtversicherungsjahren würde den Großteil der angehenden Pensionisten vor enorme Hürden stellen. Insbesondere Frauen und Personen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien wären von langen Nacharbeitszeiten oder vorzeitiger Arbeitslosigkeit betroffen. Solange der Arbeitsmarkt keine ausreichenden Kapazitäten für ältere Arbeitnehmer bietet, birgt eine starre Jahresregelung das Risiko steigender Langzeitarbeitslosigkeit vor dem Ruhestand.
Izvor „heute.at“
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