Der soziale Zusammenhalt in Österreich steht vor einer Zerreißprobe. Neue Daten der Statistik Austria zeichnen ein düsteres Bild der aktuellen Lage.
Knapp 1,7 Millionen Menschen im Land galten im Jahr 2025 als armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Das ist ein massiver Zuwachs von 170.000 Personen im Vergleich zum Vorjahr, was einem Anteil von 18,8 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht.
Statistik Austria liefert alarmierende Zahlen
Die aktuelle Erhebung verdeutlicht, dass die Teuerung und wirtschaftliche Instabilität tiefe Spuren hinterlassen haben. Manuela Lenk, die fachstatistische Generaldirektorin der Statistik Austria, ordnet die Entwicklung ein. Laut Lenk stieg der Anteil der Personen unter der Armutsgefährdungsschwelle von 14,3 Prozent im Jahr 2024 auf nunmehr 16 Prozent an. Konkret bedeutet dies, dass 1.448.000 Menschen mit weniger als 1.806 Euro netto im Monat auskommen müssen.
Einkommensschere klafft weiter auseinander
Obwohl das mittlere Haushaltseinkommen in Österreich statistisch gesehen bei 50.709 Euro pro Jahr liegt, kommt dieser Zuwachs nicht bei allen Bürgern an. Während die Gehälter in einigen Branchen steigen, rutschen einkommensschwache Haushalte immer tiefer in die Krise. Die Inflation frisst die moderaten Lohnanpassungen vielerorts komplett auf, sodass am Ende des Monats trotz Arbeit weniger übrig bleibt.
Risikogruppen im Fokus der Analyse
Die Erhebung identifiziert klare Muster bei der Armutsverteilung. Besonders gefährdet sind Menschen ohne österreichische Staatsbürgerschaft, Arbeitslose sowie Personen, deren Bildungsweg nach der Pflichtschule endete. Doch auch strukturelle Faktoren spielen eine Rolle. Alleinerziehende, Familien mit drei oder mehr Kindern sowie alleinstehende Pensionisten sind überproportional häufig von finanzieller Not betroffen.
Verzicht auf Grundbedürfnisse wird Alltag
Armut bedeutet in einem wohlhabenden Land wie Österreich oft nicht den Hungertod, aber den Ausschluss vom gesellschaftlichen Leben. 2,9 Prozent der Bevölkerung gelten als erheblich materiell benachteiligt. Für 17,8 Prozent der Menschen im Land war im vergangenen Jahr kein einziger Urlaub finanziell möglich. Noch gravierender wiegt, dass für viele bereits eine warme Wohnung oder unerwartete Reparaturkosten von 1.570 Euro eine unüberwindbare Hürde darstellen.
Frauen im Alter besonders gefährdet
Ein besorgniserregender Trend zeigt sich bei den über 60-jährigen Frauen. Immer mehr Frauen in dieser Altersgruppe verlieren ihren Arbeitsplatz und finden kaum Anschluss an den Arbeitsmarkt. Dies führt direkt in die Altersarmut, da die Rentenansprüche durch prekäre Beschäftigungsverhältnisse oder Unterbrechungen in der Erwerbsbiografie ohnehin oft niedrig ausfallen.
Die Kluft zwischen statistischem Wohlstand und der Lebensrealität von fast einem Fünftel der Bevölkerung wird größer. Wenn 1,7 Millionen Menschen am Rand der Gesellschaft stehen, ist dies kein individuelles Versagen, sondern ein dringender Auftrag an die Sozial- und Wirtschaftspolitik des Landes.
Quelle“heute.at
Österreich im Blick die Zukunft im Fokus
