Chef des AMS fordert mutige Schritte

Der Chef des Arbeitsmarktservice (AMS), Johannes Kopf, schlägt Alarm: Österreich stecke in einer wirtschaftlichen Schieflage.

Im Gespräch mit „krone.tv“ machte Kopf klar, dass das prognostizierte leichte Wirtschaftswachstum von 0,7 bis 0,9 Prozent für heuer angesichts der wachsenden Bevölkerung schlicht nicht ausreiche. Obwohl die Arbeitslosigkeit im kommenden Jahr voraussichtlich stabil bleibe, sei dies kein Grund zur Zufriedenheit. „Wir brauchen einen Wachsstumschub“, so die unmissverständliche Forderung von Kopf.

Kein Geld für Konjunkturpakete

Nach den massiven Staatsausgaben der vergangenen Jahre sei der finanzielle Spielraum für ein klassisches Konjunkturpaket begrenzt. Umso dringlicher seien jetzt tiefgreifende Reformen. Diese müssten in Schlüsselbereichen wie Bildung, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Klimaschutz ansetzen. Bleiben diese Reformen aus, warnt Kopf, riskiere Österreich weiter zurückzufallen.

Wohnsitzauflage gegen Schieflage

Besonders heikel ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt in Wien. Hier konzentrieren sich laut Kopf aktuell viele Geflüchtete – die Region sei mit rund 32.000 arbeitslosen Geflüchteten bereits am stärksten belastet, während Salzburg im Vergleich weniger als 1.000 Fälle zähle. Um diese ungleiche Verteilung zu korrigieren, bekräftigt der AMS-Chef seine Forderung nach einer Wohnsitzauflage: Sozialhilfe soll nur am gemeldeten Wohnort ausgezahlt werden.

Qualifizierung ist entscheidend

Gleichzeitig brauche es mehr Investitionen in die Qualifizierung, insbesondere junger Geflüchteter. Sprachkurse, Ausbildungen und Programme wie die „Jugendcolleges“ seien teuer, aber notwendig. Kopf argumentiert unmissverständlich: „Es ist teurer, Menschen nicht zu integrieren.“ Wer Migration kritisch sehe, müsse dennoch anerkennen: „Wenn sie hier sind, dann müssen wir sie qualifizieren.“

KI fordert Arbeitsmarkt heraus

Die Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz (KI) sieht Kopf als Herausforderung und Chance zugleich. Tätigkeiten wie Buchhaltung oder juristische Assistenz könnten automatisiert werden. Parallel dazu entstehen neue Berufsbilder, etwa im Bereich Prompting oder KI-Training. Das AMS reagiere bereits mit passenden Schulungsprogrammen, um Arbeitskräfte fit für den Wandel zu machen. Künftig würden Kreativität und soziale Kompetenz noch stärker gefragt sein.

Länger arbeiten als Notwendigkeit

Auch beim Pensionssystem sieht der AMS-Chef keinen Weg an unangenehmen Entscheidungen vorbei. Angesichts der steigenden Lebenserwartung und hoher Kosten sei klar: „Wir werden länger arbeiten müssen.“ Die politische Durchsetzung dieser Notwendigkeit sei schwierig, aber unabdingbar. Voraussetzung dafür sei die Schaffung von altersgerechten und gesunden Arbeitsplätzen.

AMS-Chef Johannes Kopf spart nicht mit klaren Worten: Österreich benötigt dringend einen Wachstumsschub. Ohne entschlossene Reformen in Bildung, Digitalisierung, und einer besseren Integration von Geflüchteten sowie einer Anpassung an die Realitäten des Pensionssystems droht das Land, im internationalen Vergleich zurückzufallen.

Quelle“heute.at“

Stillstand ist der größte Rückschritt.

Von admin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert