Der mexikanische Autozulieferer Nemak hat das Aus für seinen Standort in Niederösterreich verkündet.
Bis Anfang 2027 sollen die Bänder in Herzogenburg endgültig stillstehen. Für die rund 330 Beschäftigten und die gesamte Region ist dies ein wirtschaftliches Beben mit weitreichenden Folgen.
Aus für Traditionsstandort bis 2027
Die Hiobsbotschaft erreichte die Belegschaft am Mittwoch, als der Konzern die Pläne zur Werksschließung offiziell bestätigte. Demnach soll die Produktion von Aluminiumkomponenten bis zum Ende des ersten Quartals 2027 schrittweise eingestellt werden. Erst in diesem Jahr hatte Nemak das Werk von GF Casting Solutions übernommen und fungiert laut Wirtschaftscompass als Alleingesellschafter. Nun folgt nach nur kurzer Zeit unter neuer Flagge das Ende einer industriellen Ära in der Stadtgemeinde.
Schwache Marktlage erzwingt Rückzug
Das Unternehmen begründet den harten Schnitt mit der anhaltenden Krise in der Automobilindustrie. Angesichts sinkender Produktionsvolumina und einer pessimistischen Marktprognose sehe man keine wirtschaftliche Grundlage mehr für den Betrieb in Herzogenburg. Die verbleibenden Aufträge sollen in enger Abstimmung mit den Kunden auf andere Standorte des global agierenden Konzerns verlagert werden. Damit verliert Niederösterreich einen weiteren wichtigen Player im Bereich der Mobilitätszulieferung.
Sorgen um hunderte Existenzen
Für die 330 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herrscht seit der Bekanntgabe Fassungslosigkeit. Nemak versicherte zwar, die Betroffenen in Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmervertretungen und Behörden bestmöglich zu unterstützen, doch die Zukunftsängste wiegen schwer. Sozialpläne und Umschulungsmaßnahmen werden in den kommenden Monaten die Verhandlungen zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat dominieren.
Bürgermeister warnt vor Kettenreaktion
Stadtchef Christoph Artner (SPÖ) reagierte tief betroffen auf die Nachricht. Er sprach von einem herben Schlag für die gesamte Gemeinde. Neben dem menschlichen Aspekt und den drohenden Existenzängsten der Familien warnt der Bürgermeister vor den fiskalischen Konsequenzen. Der Wegfall der Kommunalsteuer und die sinkende Kaufkraft in der Region treffen Herzogenburg in einer Phase, in der die kommunalen Budgets ohnehin unter massivem Druck stehen. Die Suche nach Lösungen für das Areal und die Menschen habe nun oberste Priorität.
Die geplante Schließung des Nemak-Werks ist ein symptomatisches Warnsignal für den Industriestandort Österreich. Wenn ein globaler Konzern kurz nach einer Übernahme die Reißleine zieht, zeigt das die Fragilität der Zulieferkette. Für Herzogenburg beginnt nun ein Wettlauf gegen die Zeit, um den drohenden sozialen Abstieg für hunderte Fachkräfte abzufedern und neue wirtschaftliche Impulse zu setzen.
Quelle „heute.at“
Starke Nachrichten für ein starkes Land.