Der Sommer schreitet voran, doch für die Beschäftigten in Österreich beginnt die finanzielle Unabhängigkeit im Kalenderjahr erst Mitte August.
Wer Vollzeit arbeitet, schuftet im Median gut zwei Drittel des Jahres nicht für das eigene Geldbörserl, sondern für die staatliche Steuerkasse.
Arbeitslohn für den Staat
Nach aktuellen Berechnungen des Wiener Hayek Instituts arbeiten vollzeitbeschäftigte Herrinnen und Herren Österreicher im Median genau 227 Tage lang für das Fiskus-System. Damit fällt der symbolische Steuerstopptag – der sogenannte „Tax Freedom Day“ – in diesem Jahr auf den 16. August. Erst seit diesem Datum wandert der erarbeitete Lohn theoretisch direkt auf das eigene Konto.
Blick auf die historische Entwicklung
Ein Blick in die Statistik der Wirtschaftskammer Österreich zeigt eine deutliche Verschiebung: Während der Tax Freedom Day in den 1970er-Jahren noch Anfang Juli gefeiert werden konnte, hat er sich seit dem Jahr 2008 dauerhaft im August festgesetzt. Eine Umkehr dieses Trends lässt weiter auf sich warten, was die stetige Debatte über die hohe Abgabenlast von Neuem anheizt.
Scharfe Kritik aus der Wirtschaft
Martin Gundinger, Ökonom am Hayek Institut, findet dazu klare Worte: Ein Staat, der sich fast zwei Drittel der Arbeitskosten einverleibe und dennoch mit Rekorddefiziten konfrontiert sei, leide keineswegs an fehlenden Einnahmen, sondern an einem massiven strukturellen Ausgabenproblem.
Auch aus den Reihen der Nachwuchskräfte ertönt deutliche Kritik. Verena Eugster, Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft, unterstreicht gemeinsam mit der Jungen Industrie den dringenden Handlungsbedarf. Für jeden Haushalt und jeden Betrieb sei es selbstverständlich, langfristig nicht mehr auszugeben, als erwirtschaftet werde – genau diese Regel müsse endlich auch für die öffentliche Hand gelten. Die Politik stehe in der Pflicht, Rahmenbedingungen zu schaffen, um den Termin wieder schrittweise nach vorne zu verlegen.
Politik fordert Entlastung
Politischen Rückenwind erhält die Forderung nach Entlastung von FPÖ-Wirtschaftssprecherin Barbara Kolm. Sie bezeichnet die derzeitige Abgabenlast als unzumutbaren Zustand, der den Bürgern den finanziellen Spielraum nehme und gleichzeitig die heimische Wirtschaft im internationalen Wettbewerb schwäche. Insbesondere beim Standortwettbewerb sowie beim akuten Fachkräftemangel schlage die hohe Abgabenquote negativ zu Buche.
Hohe Belastung im Detail
Ein Blick auf die Monatsabrechnung veranschaulicht die Dimensionen: Geht man von einem durchschnittlichen Mediangehalt aus, summieren sich Lohnsteuer, Sozialversicherungsbeiträge sowie Lohnnebenkosten bereits auf über 46 Prozent der Arbeitskosten. Rechnet man weitere indirekte Abgaben wie die Umsatzsteuer oder die Mineralölsteuer hinzu, verbleiben unterm Strich nur knapp 38 Prozent – der Gesamtabgabensatz summiert sich auf über 62 Prozent.
Transparenz per Mausklick
Um der Bevölkerung die eigene Belastung transparenter zu machen, steht seit diesem Jahr ein Online-Tool bereit. Unter der Webadresse deine-abgaben.at kann jeder Österreicher die persönlichen Arbeitskosten, die individuelle Steuerlast und den eigenen Tax Freedom Day berechnen lassen – inklusive einer Aufschlüsselung, welche staatlichen Aufgaben mit den jeweiligen Abgaben finanziert werden.
Die Zahlen zeigen unmissverständlich, dass Österreich nach wie vor zu den Ländern mit den höchsten Abgabenquoten gehört. Wenn mehr als die Hälfte des Jahres für staatliche Abgaben gearbeitet wird, braucht es eine grundlegende Debatte über Ausgabendisziplin und gezielte Entlastungen, um die Standortqualität und die Kaufkraft nachhaltig zu sichern.
Quelle „heute.at“
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