Europa-Forum Wachau
Großer Polit-Auflauf am geschichtsträchtigen Göttweiger Berg:
Zum 30. Jubiläum des Europa-Forums Wachau reist der ungarische Premierminister Péter Magyar erstmals nach Niederösterreich. Im Fokus steht die Neuausrichtung der Partnerschaft.
Es ist eine Premiere mit Symbolkraft. Péter Magyar, der nach den politischen Umbrüchen in Budapest das Erbe von Viktor Orbán angetreten hat, wählt Niederösterreich als Bühne für einen seiner ersten großen Auslandsauftritte in der Region. Zwischen dem 18. und 22. Mai verwandelt sich das Stift Göttweig in ein diplomatisches Epizentrum, in dem die Weichen für die kommenden Jahrzehnte gestellt werden sollen.
Schulterschluss an der Donau
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner sieht in dem Besuch weit mehr als eine reine Höflichkeitsvisite. Für die Landeschefin ist die Verbindung zwischen St. Pölten und Budapest historisch tief verwurzelt. „Die Donau verbindet seit Jahrhunderten Menschen und ihre Regionen und sie verbindet auch Niederösterreich und Ungarn“, betonte Mikl-Leitner im Vorfeld. Der Besuch Magyars werde als klares Signal für eine „erneuerte Partnerschaft“ gewertet, die nach Jahren der Spannungen nun auf eine konstruktive Ebene gehoben werden soll.
Stocker setzt auf Integration
Auch auf Bundesebene misst man dem Treffen höchste Bedeutung bei. Bundeskanzler Christian Stocker wird den ungarischen Amtskollegen persönlich in der Wachau empfangen. Stocker unterstrich die Bedeutung des Standorts: Es sei ein schönes Symbol, gemeinsam in einer Region zu stehen, die wie kaum eine andere von der europäischen Integration profitiert habe. Der Kanzler sieht im Europa-Forum die Chance, die nachbarschaftlichen Beziehungen neu zu justieren.
Wirtschaftsfaktor Ungarn
Hinter der diplomatischen Etikette stehen handfeste wirtschaftliche Interessen. Ungarn ist für die niederösterreichische Wirtschaft kein Partner unter vielen, sondern nach Deutschland der zweitwichtigste Exportmarkt. Mit einem jährlichen Handelsvolumen von über zwei Milliarden Euro hängen tausende Arbeitsplätze im Bundesland direkt von der Stabilität und der Kaufkraft des Nachbarlandes ab. Ein offener Dialog mit der neuen Führung in Budapest ist für die heimischen Betriebe daher existenziell.
Internationale Polit-Prominenz in Göttweig
Neben Péter Magyar werden weitere hochkarätige Gäste erwartet:
- Anders Fogh Rasmussen (Ehemaliger NATO-Generalsekretär)
- Nikolaos Dendias (Griechischer Verteidigungsminister)
- Magnus Brunner (EU-Kommissar)
Visionen für die nächsten 30 Jahre
Das Jubiläumsforum steht unter dem zukunftsgerichteten Motto „The Next 30“. Dabei geht es nicht nur um einen Rückblick auf drei Jahrzehnte Dialog in der Wachau, sondern um die brennenden Fragen der Gegenwart: Sicherheit, Innovation und die Rolle Europas in einer sich rasant verändernden Weltordnung. Die Wachau fungiert hierbei als Think-Tank unter freiem Himmel.
Der Besuch von Péter Magyar beim 30. Europa-Forum Wachau markiert einen Wendepunkt in den bilateralen Beziehungen. Während die wirtschaftliche Verflechtung bereits auf Rekordniveau agiert, folgt nun die politische Annäherung auf Augenhöhe. Für Niederösterreich ist dies die Chance, sich erneut als Brückenbauer im Herzen Europas zu positionieren.
Quelle „heute.at“
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