Nach den krachenden Verlusten der Stadler-SPÖ werden die Karten in der niederösterreichischen Landeshauptstadt neu gemischt. Das politische Beben in St. Pölten sorgt dafür, dass bereits am heutigen Montag die Drähte glühen. Bürgermeister Matthias Stadler muss sich nach Jahren der Alleinherrschaft nun auf Partnerbesuche begeben.
Das Ende der roten Dominanz
Das vorläufige Endergebnis ließ am Sonntagabend keinen Spielraum für Interpretationen. Matthias Stadler, der die Stadt seit Jahren mit absoluter Mehrheit regierte, musste bereits kurz nach 19 Uhr im ORF die bittere Realität anerkennen. Mit nur noch 19 von 42 Mandaten verlor die SPÖ sechs Sitze und damit die Entscheidungsgewalt im Alleingang. Stadler machte für das Minus neben dem städtischen Konsolidierungsprogramm auch den Bundestrend verantwortlich, gab sich jedoch kämpferisch und betonte, dass er weiterhin an Bord bleibe.
Die neue Mandatsverteilung im Detail
Hinter der SPÖ sortiert sich das Feld neu. Die ÖVP konnte mit 9 Mandaten den zweiten Platz behaupten, dicht gefolgt von einer erstarkten FPÖ, die nun 8 Sitze im Gemeinderat besetzt. Die Grünen kommen auf 4 Mandate, während die KPÖ und die NEOS mit jeweils einem Sitz den Einzug schafften. Für die Sozialdemokraten bedeutet dies, dass sie zwingend einen Koalitionspartner benötigen, um eine stabile Regierung zu bilden.
Auftakt zur politischen Brautschau
Die St. Pöltner Parteizentrale ließ nicht lange auf sich warten. Noch am Wahlabend gegen 22 Uhr verschickte Vizebürgermeister Michael Kögl die Einladungen an die Mitbewerber. Man habe weiterhin den Anspruch, die Stadt zu regieren und wolle den bewährten Weg fortsetzen, hieß es in einer ersten Aussendung. Dabei spart die SPÖ nicht mit Kritik an der Volkspartei: Ein angeblicher Negativ-Wahlkampf der ÖVP habe die FPÖ erstarkt und die eigenen Wähler demobilisiert.
Der Fahrplan der Sondierungen
Der heutige Montag steht ganz im Zeichen der ersten Annäherungen. Die Gespräche finden auf Wunsch der SPÖ in Dreier-Konstellationen statt. Den Anfang macht um 15.30 Uhr die ÖVP. Die Volkspartei schickt dafür ihre erfahrenen Stadtsenatsmitglieder Florian Krumböck, Matthias Adl und Mario Burger ins Rennen. Danach folgen die weiteren Parteien im Stundentakt, um die inhaltlichen Spielräume für eine Zusammenarbeit auszuloten.
Forderungen nach spürbarer Veränderung
ÖVP-Spitzenkandidat Florian Krumböck zeigt sich nach dem Wahlerfolg selbstbewusst. Er betont, dass es in den ersten Gesprächen nicht um Postenschach gehen dürfe, sondern um klare inhaltliche Angebote. Das Ziel der Volkspartei sei es, dass eine Veränderung in der Stadt spürbar wird. Krumböck sieht seine Partei als stabilen Anker in einem Wahlkampf, der von einem roten Erdbeben und einem blauen Erdrutsch geprägt war.
St. Pölten steht vor einer historischen Zäsur. Die Ära der SPÖ-Alleinregierung ist Geschichte, und Matthias Stadler steht vor der Herausforderung, Kompromisse mit Partnern zu schließen, die er im Wahlkampf noch hart kritisiert hat. Ob es zu einer Koalition der Vernunft oder zu harten Blockaden kommt, werden die nächsten Tage zeigen. Eines ist sicher: Der politische Ton in der Landeshauptstadt wird rauer und die Verhandlungen zäher werden.
Quelle „heute.at“
St. Pölten wählt den Wandel – Wir bleiben für Sie am Ball.