Tausende Menschen haben am Donnerstag in Wien gegen geplante Kürzungen bei den Universitäten protestiert. Beschäftigte warnen vor weiteren Einschnitten, Studierende befürchten schlechtere Bedingungen für ihre Ausbildung.
Für Christian Görlich steht viel auf dem Spiel. Als Betriebsratsvorsitzender der Universität für Weiterbildung Krems erlebt er die Auswirkungen des Sparkurses bereits unmittelbar. Schon im vergangenen Jahr war die Hochschule mit Personalabbau konfrontiert. Nun könnten weitere Einsparungen folgen. „Unser Standort ist bedroht“, warnt Görlich.
Am Donnerstag beteiligte er sich deshalb an der Demonstration in der Wiener Innenstadt. Seine Botschaft ist klar: Bei der Bildung dürfe nicht gespart werden.
Überlastung und steigende Kosten
Die Lage an den Hochschulen sei bereits angespannt. Einzelne Bereiche seien überlastet, Forschung und Lehre könnten nicht mehr im erforderlichen Umfang stattfinden. Gleichzeitig würden Materialien und Lizenzen teurer. Die angekündigten Budgetkürzungen könnten diese Probleme weiter verschärfen.
„So können wir an einer Uni nicht arbeiten“, kritisiert Görlich. Für ihn geht es damit nicht nur um die finanzielle Ausstattung, sondern auch um die Frage, ob die Hochschulen ihre Aufgaben künftig noch ausreichend erfüllen können.
Studierende fürchten schlechtere Bedingungen
Auch unter den Studierenden wächst die Unsicherheit. Felix, der an der Technischen Universität (TU) Wien studiert, muss bereits jetzt bestimmte Dinge, die er für sein Studium benötigt, selbst bezahlen. Er befürchtet, dass sich die Situation künftig deutlich verschlechtern wird. Bildung sei einer der letzten Bereiche, in denen gespart werden sollte, meint er.
Seine Studienkollegin Kalina teilt diese Sorge. Sie rechnet damit, dass künftig weniger Praktikums- und Studienplätze zur Verfügung stehen könnten. Die geplanten Einsparungen sieht sie daher kritisch.
Selina aus dem Vorsitzteam der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) warnt ebenfalls vor den Folgen. Sowohl das akademische Personal als auch die Studierenden würden darunter leiden. Konkret befürchtet sie weniger Lehrveranstaltungen und weniger verfügbare Kursplätze. Die ÖH fordert von der Bundesregierung deshalb ein höheres Budget.
50.000 Menschen bei Demonstration in Wien
Unter dem Motto „Alarmstufe Rot – Unis retten!“ gingen am Donnerstag zahlreiche Menschen auf die Straße. Laut ÖH folgten rund 50.000 Studierende, Lehrende, Forschende und Hochschulbeschäftigte dem Aufruf. Die Demonstration begann um 15 Uhr vor der TU Wien und führte durch die Wiener Innenstadt.
Auslöser des Protests sind die geplanten Bundesmittel für die Universitäten in den Jahren 2028 bis 2030. Die Bundesregierung sieht dafür rund 16 Milliarden Euro vor. Aus Sicht der Hochschulvertretung reicht diese Summe angesichts der gestiegenen Kosten nicht aus. Mindestens 18 Milliarden Euro seien erforderlich, um den bisherigen Betrieb aufrechterhalten zu können.
ÖH setzt der Regierung eine Frist
Die Hochschülervertretung verlangt eine rasche Nachbesserung. Bis zum 31. Oktober soll die Bundesregierung das geplante Universitätsbudget erhöhen. Darüber hinaus fordert die ÖH langfristig Investitionen in Höhe von 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in den Hochschulbereich.
Die Demonstration macht deutlich, wie groß die Sorge vor den Folgen des Sparkurses ist. Beschäftigte sehen Arbeitsplätze und Hochschulstandorte gefährdet, Studierende fürchten Einschränkungen bei Lehre und Ausbildung. Die ÖH drängt daher auf eine Budgetlösung, mit der die Universitäten ihren bisherigen Betrieb aufrechterhalten können.
Quelle „heute.at“
Bildung braucht Zukunft – und eine solide finanzielle Grundlage.