In Österreichs Klassenzimmern spitzt sich die Lage dramatisch zu. Die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen leidet massiv unter den aktuellen Krisen, doch die versprochene Hilfe lässt auf sich warten.

Obwohl die Bundesregierung für das Doppelbudget zusätzliche Planstellen für die Schulpsychologie und Schulsozialarbeit angekündigt hat, ist die Realität an den Schulen von gähnender Leere geprägt. Betroffene Jugendliche müssen teilweise wochenlang auf ein Erstgespräch warten.

Keine einzige neue Stelle besetzt

Die Zahlen versprachen eine Entlastung, die Praxis zeigt das Gegenteil. Von den angekündigten 65 neuen Stellen für die Schulsozialarbeit an Bundesschulen wurde bislang keine einzige besetzt. Das geht aus einer aktuellen parlamentarischen Anfragebeantwortung hervor. Während in den Ministerien von einer großen Offensive gesprochen wird, bleibt der Alltag für Pädagogen und Schüler unverändert belastend.

Kritik an der Regierungsarbeit

Die Opposition spart angesichts dieser Entwicklungen nicht mit scharfer Kritik. Die Klubobfrau und Bildungssprecherin der Grünen, Sigrid Maurer, bemängelt das enorme Defizit zwischen politischen Versprechen und der Umsetzung. Zwischen den Ankündigungen und der Realität an den Schulen lägen Welten. Besonders brisant: Erst zwei Tage vor dem Ablauf der gesetzlichen Anfragefrist reagierte das Ministerium und schrieb die offenen Stellen hastig aus. Für Maurer ein durchschaubares Ablenkungsmanöver, das am eigentlichen Problem vorbeigeht.

Rechnerisch nur elf Minuten Hilfe

Selbst wenn alle Posten morgen besetzt würden, wäre das laut Experten nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aufgeteilt auf rund 500.000 Bundesschüler in ganz Österreich ergäbe die Aufstockung rein rechnerisch gerade einmal elf Minuten zusätzliche Unterstützung pro Kind und Schuljahr. Mentale Gesundheit dürfe jedoch kein Luxusgut sein, so die klare Forderung der Kritiker.

Große Kluft zwischen Stadt und Land

Ein weiteres Problem stellt die ungleiche Verteilung der Ressourcen dar. Vor allem Regionen außerhalb der Bundeshauptstadt Wien sind massiv benachteiligt. Obwohl die Bundesländer abseits von Wien eine weitaus höhere Schülerzahl verzeichnen, wird ihnen nur die Hälfte der Unterstützungskräfte zugewiesen. Im ländlichen Raum führt das dazu, dass eine einzige Fachkraft rein rechnerisch bis zu 20 Standorte gleichzeitig betreuen müsste. Faire Bildungschancen, so die Mahnung aus der Politik, dürfen niemals vom Wohnort der Jugendlichen abhängen.

Ministerium gelobt Besserung

Bildungsminister Christoph Wiederkehr verteidigt unterdessen seine Strategie. Er versichert, dass mit Hochdruck an einer umfassenden und gezielten Gesamtaufstockung des Unterstützungspersonals gearbeitet werde. Wiederkehr verweist in diesem Zusammenhang auf das sogenannte Chancenbonus-Programm. Dieses soll Schulen in sozial besonders herausfordernden Lagen mit zusätzlichen Ressourcen für multiprofessionelle Teams ausstatten. Ziel sei es, die schulpsychologischen Dienste in allen Bundesländern substanziell auszubauen, um auf die wachsenden Herausforderungen im Bereich der Prävention und Krisenintervention adäquat reagieren zu können.

Die Pläne für mehr Schulsozialarbeit klingen auf dem Papier vielversprechend, scheitern in der Praxis bisher aber an der bürokratischen Umsetzung. Solange keine realen Fachkräfte in den Schulen ankommen, bleibt das Budgetversprechen wirkungslos. Für eine nachhaltige Verbesserung der mentalen Gesundheit der Jugend braucht es keine theoretischen Minutenrechnungen, sondern eine rasche, flächendeckende und vor allem faire Besetzung aller offenen Posten im gesamten Bundesgebiet.

Quelle „heute.at“

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Von admin

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