Der Wiener Rathausklub wurde am vergangenen 30. April zum Schauplatz einer Begegnung, die weit über das protokollarische Händeschütteln hinausging.
Wiens Bürgermeister Michael Ludwig empfing seinen Amtskollegen Elvedin Sedić aus der bosnischen Stadt Bihać. Was als offizieller Arbeitstermin begann, endete in einer emotionalen Geste, die den tiefen Zusammenhalt zwischen den beiden Städten unterstreicht.
Solidarität in Zeiten der Krise
Die Verbindung zwischen Wien und Bihać ist in den letzten Jahren durch harte Prüfungen gewachsen. Die 50.000-Einwohner-Stadt in Bosnien und Herzegowina rückte unfreiwillig ins Zentrum der europäischen Migrationspolitik. Als wichtiger Knotenpunkt der Balkanroute war Bihać zeitweise mit bis zu 10.000 geflüchteten Menschen konfrontiert, die ohne feste Unterkunft im Stadtgebiet ausharrten. Besonders der verheerende Brand im Camp Lipa im Jahr 2020 markierte einen Tiefpunkt, der eine massive humanitäre Notlage auslöste.
Wiener Hilfe für den Balkan
In dieser kritischen Phase ließ die Unterstützung aus Österreich nicht lange auf sich warten. Initiiert durch die Organisation SOS Balkanroute wurden gezielte Hilfsgüterlieferungen auf den Weg gebracht. Wien setzte dabei auch auf praktische Infrastrukturhilfe: Stadtrat Jürgen Czernohorszky übergab ein dringend benötigtes Müllfahrzeug der MA 48 vor Ort. Auch Andreas Babler, der sich bereits vor seiner Zeit als Bundesparteiobmann und Vizekanzler stark engagierte, brachte persönlich einen Rettungswagen nach Bihać, um die medizinische Versorgung zu stützen.
Sportliche Geste mit Tiefgang
Beim aktuellen Treffen im Rathaus stand nun der Dank und die Festigung dieser Städtefreundschaft im Fokus. Elvedin Sedić überreichte Michael Ludwig ein Fußballtrikot seiner Heimatstadt – ein Symbol für Teamgeist und den gemeinsamen Kampf gegen Krisen. Ludwig revanchierte sich mit einem Wiener Dress. Dieser Trikottausch versinnbildlicht, dass die Zusammenarbeit zwischen Wien und Bihać keine Einmalzahlung war, sondern eine gelebte Partnerschaft auf Augenhöhe bleibt.
Das Treffen zwischen Michael Ludwig und Elvedin Sedić verdeutlicht, dass kommunale Außenpolitik dort ansetzt, wo große politische Strukturen oft an ihre Grenzen stoßen. Die materielle Hilfe aus Wien und das sportliche Präsent aus Bihać sind zwei Seiten derselben Medaille: gelebte Menschlichkeit über Staatsgrenzen hinweg.
Quelle „heute.at“
Wien hilft – Grenzenlos verbunden im Herzen Europas.