Andreas Babler bleibt an der Spitze der SPÖ. Beim 47. Ordentlichen Parteitag stellte sich der Traiskirchner Bürgermeister der Wiederwahl und fuhr ein Ergebnis ein, das zwar eine Steigerung zum historischen Tiefpunkt seiner Vorgängerin darstellt, aber dennoch die internen Bruchlinien der Partei widerspiegelt.
Schwierige Ausgangslage in Graz
Die Vorzeichen für diesen Parteitag hätten kaum komplizierter sein können. Zwar regiert die SPÖ nach sieben Jahren Opposition wieder mit, doch die Umfragewerte der Partei stagnieren bei mageren 17,4 Prozent. Babler trat vor die 609 Delegierten mit einer Mischung aus Kampfansage und ungewohnter Selbstkritik. Er gab offen zu, dass die SPÖ in der Vergangenheit oft ein öffentliches Schauspiel geliefert habe, das nicht klug gewesen sei. Auch eigene Fehler räumte der Parteivorsitzende ein, um die tiefen Gräben innerhalb der roten Reihen zu schließen.
Die Hürde der Vergangenheit
Das Ziel des Tages war klar definiert: Das Ergebnis von Pamela Rendi-Wagner aus dem Jahr 2021 zu übertreffen. Damals erhielt die Ex-Chefin lediglich rund 75 Prozent der Stimmen, was als historisches Debakel gewertet wurde. Da Babler seit seinem Amtsantritt permanent unter parteiinternem Beschuss steht, war die Spannung im Saal greifbar. Trotz des tosenden Applauses nach seiner Rede blieb die Frage offen, wie viele Delegierte ihren Unmut in der Wahlkabine ausdrücken würden.
Überraschungskandidat ohne Listenplatz
Ein Kuriosum am Rande des Wahlvorgangs war der Auftritt von Berthold Felber. Obwohl sein Name offiziell nicht auf den Stimmzetteln gedruckt war, warb er erneut um Vertrauen. Der formale Wahlakt begann um 14.11 Uhr und zog sich über eine halbe Stunde hin. Während die Mitglieder des restlichen Parteivorstands glanzvolle Ergebnisse von über 90 Prozent einfuhren, musste Babler bis zur letzten Minute zittern.
Das Wahlergebnis im Detail
Um kurz nach 15 Uhr herrschte Gewissheit: Von den 600 abgegebenen gültigen Stimmen entfielen 81,51 Prozent auf Andreas Babler. Ein Achtungserfolg, der ihn vorerst fest im Sattel hält, aber gleichzeitig zeigt, dass fast jeder fünfte Delegierte ihm die volle Gefolgschaft verweigert. Bemerkenswert ist zudem, dass drei Delegierte explizit für den Herausforderer Berthold Felber stimmten, obwohl dieser gar nicht offiziell gelistet war.
Andreas Babler hat die Reifeprüfung bestanden und das Schreckgespenst des historischen Tiefstwerts vertrieben. Dennoch bleibt die SPÖ eine Partei der zwei Geschwindigkeiten: Während die Basis und der Vorstand Geschlossenheit demonstrieren, bleibt ein signifikanter Teil der Funktionäre skeptisch. Für Babler bedeutet dieses Ergebnis zwar eine Atempause, aber keinen Freibrief. Die kommenden Monate in der Regierung werden zeigen, ob er die 81 Prozent in reale Wählerstimmen ummünzen kann.
Quelle „heute.at“
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