Die oberösterreichische Landesregierung aus ÖVP und FPÖ hat bei ihrer jüngsten Arbeitsklausur in Freistadt ein klares Signal in Richtung Bund und Sozialversicherung gesendet.
Im Zentrum der politischen Weichenstellung steht eine umfassende Reform des ärztlichen Dienstes, die vor allem die flächendeckende Versorgung sicherstellen und den Arztberuf im ländlichen Raum wieder attraktiver machen soll.
Druck auf die Gesundheitskasse erhöht
Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) und sein Stellvertreter Manfred Haimbuchner (FPÖ) fordern von der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) nun Taten statt Worte. Konkret geht es um die Besetzung von 50 zusätzlichen Kassenarztstellen im gesamten Bundesland. Die schwarz-blaue Koalition macht deutlich, dass leere Stellenpläne allein die medizinische Versorgung nicht sichern. Man erwarte nun einen verbindlichen Fahrplan, wie die neuen und die bereits offenen Stellen zeitnah mit Medizinern besetzt werden können.
Moderne Arbeitsmodelle für junge Mediziner
Ein wesentlicher Hebel der Reform ist die Flexibilisierung der Arbeitsbedingungen. Das klassische Modell des Einzelkämpfers in der eigenen Praxis scheint ausgedient zu haben. Schwarz-Blau setzt stattdessen verstärkt auf Gruppenpraxen, Teilzeit-Kassenverträge und eine signifikante Reduktion des bürokratischen Aufwands. Besonders die aktuelle Honorierung, die sich primär an der Anzahl der E-Card-Steckungen orientiert, steht in der Kritik. Hier fordern die Landespolitiker zeitgemäße Entlohnungssysteme, die Qualität und Zeit am Patienten stärker berücksichtigen.
Infrastruktur und Patientenbindung im Fokus
Um die Wege für die Patienten kurz zu halten, plant das Land den massiven Ausbau regionaler Gesundheitszentren. Bis zu 33 dieser Primärversorgungseinheiten sollen in ganz Oberösterreich entstehen. Ein weiterer innovativer Ansatz ist das diskutierte Einschreibmodell: Patienten sollen sich fest an einen Hausarzt binden, um eine kontinuierliche Betreuung zu gewährleisten und die Steuerungsfunktion der Allgemeinmediziner im System zu stärken.
Klare Worte der Regierungsspitze
Thomas Stelzer unterstrich die Dringlichkeit der Forderungen mit dem Hinweis, dass die Menschen in Oberösterreich nun konkrete Verbesserungen spüren müssten. Manfred Haimbuchner ergänzte, dass das Land für Verlässlichkeit stehe, nun aber auch die Partner im Bund ihre Hausaufgaben erledigen müssten. Beide Politiker sehen die Gesundheitsversorgung als zentralen Standortfaktor für die Lebensqualität im Land.
Wirtschaft und Energie als Nebenfronten
Trotz des Fokus auf die Medizin wurden in Freistadt auch wirtschaftliche Akzente gesetzt. Die neue Flugverbindung von Linz nach Frankfurt wurde als wichtiger Erfolg für die internationale Anbindung des Wirtschaftsstandortes hervorgehoben. Gleichzeitig drängt die Landesregierung auf mehr Sicherheit bei der Gasversorgung und eine schnelle Entscheidung zum Standort der neuen IT-Universität (IT:U), um den technologischen Anschluss nicht zu verpassen.
Die schwarz-blaue Klausur in Freistadt markiert den Beginn einer Charmeoffensive für den Arztberuf in Oberösterreich. Durch den massiven Ausbau von Gesundheitszentren und den Druck auf die ÖGK will das Land die Versorgungslücken schließen. Ob die geforderten 50 neuen Stellen jedoch schnell besetzt werden können, hängt entscheidend davon ab, wie attraktiv die neuen Kassenverträge tatsächlich gestaltet werden.
Quelle“heute.at“
Oberösterreich gesund gestalten.