Die politische Landschaft in Wien ist im Umbruch.
Eine aktuelle „Stadtbarometer“-Meinungsumfrage des Instituts für Demoskopie und Datenanalyse (IFDD) im Auftrag von W24 zeigt zwar eine klare Spitzenposition für die Sozialdemokraten, offenbart jedoch auch erhebliche Verschiebungen unter den Wiener Parteien. Vor allem die amtierende rot-pinke Landesregierung steht vor einer Zerreißprobe.
Ludwig hält SPÖ an der Spitze
Trotz anhaltender Diskussionen und Gegenwind aus der Bundespolitik behauptet sich die Wiener SPÖ unter Bürgermeister Michael Ludwig als stärkste Kraft in der Bundeshauptstadt. Aktuell kommen die Sozialdemokraten auf 36 Prozent der Stimmen. Damit verliert die Partei zwar einen Prozentpunkt im Vergleich zur letzten Umfrage und liegt unter dem Ergebnis der Wien-Wahl vom Frühjahr 2025 (39,38 Prozent), bleibt jedoch mit einem komfortablen Vorsprung von elf Prozentpunkten die klare Nummer eins. IFDD-Geschäftsführer Christoph Haselmayer betont, dass insbesondere die exzellenten persönlichen Beliebtheitswerte des Bürgermeisters die Roten in der Sommerhitze stabilisieren.
FPÖ stabilisiert Platz zwei
Als klare Nummer zwei in der Bundeshauptstadt etabliert sich die FPÖ. Die Freiheitlichen unter der Führung von Dominik Nepp stabilisieren sich in der W24-Umfrage bei 25 Prozent. Damit festigen die Blauen ihren Anspruch als stärkste Oppositionskraft und verweisen die Konkurrenz mit deutlichem Abstand auf die hinteren Plätze.

Grüne im Aufwind, ÖVP stürzt ab
Die Grünen mit ihrer Parteichefin Judith Pühringer setzen ihren positiven Trend fort. Sie gewinnen weiter an Boden und klettern in der Wählergunst auf 17 Prozent. Ein völlig anderes Bild zeigt sich bei den konservativen Kräften: Die ÖVP unter Markus Figl rutscht auf magere 8 Prozent ab und muss sich damit sogar den Neos geschlagen geben, die auf 9 Prozent kommen. Haselmayer sieht die Ursache hierfür, ähnlich wie bei der SPÖ, im starken Gegenwind aus der Bundespolitik, der den Wiener Christdemokraten massiv zusetzt. Die KPÖ würde mit 4 Prozent knapp an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern und den Einzug in den Gemeinderat verpassen.
Brisanz bei Bürgermeister-Direktwahl
Besonders spannend wird es beim Blick auf die fiktive Bürgermeister-Direktwahl. Hier zeigt sich, dass die Spitzenkandidaten der beiden Großparteien deutlich über dem Niveau ihrer eigenen Fraktionen liegen. Michael Ludwig würden 46 Prozent der Wiener direkt wählen, Dominik Nepp kommt auf 26 Prozent. Dahinter folgen Judith Pühringer (Grüne) mit 15 Prozent, Markus Figl (ÖVP) mit 7 Prozent, Bettina Emmerling (Neos) mit 4 Prozent und Barbara Urbanic (KPÖ) mit 2 Prozent.
Die politische Brisanz der Umfrage, für die zwischen dem 22. und 25. Juni insgesamt 1.000 wahlberechtigte Wiener ab 16 Jahren befragt wurden, liegt im Detail: Die aktuelle Zweier-Koalition aus SPÖ und Neos besitzt rechnerisch keine Mehrheit mehr im Rathaus.
Sommerfrische im Fokus der Bürger
Abseits der harten Parteipolitik liefert das Stadtbarometer auch Einblicke in die Gemütslage der Wiener im Sommer. Angesichts der aktuellen Hitzewelle zeigen sich 75 Prozent der Befragten sehr zufrieden mit den städtischen Bädern und Naherholungsgebieten. Während 55 Prozent der Hauptstädter eine Reise planen, verbringen 43 Prozent den Sommer zu Hause. Dass Wien auch als Destination überzeugt, unterstreicht ein weiteres Ergebnis: 56 Prozent der Befragten würden die Donaumetropole ihren Freunden ausdrücklich für einen Sommerurlaub empfehlen.
Die Wiener SPÖ bleibt dank des „Bürgermeister-Bonus“ von Michael Ludwig die dominierende politische Kraft, muss aber Federn lassen. Die FPÖ untermauert ihren zweiten Platz, während die Grünen stark aufholen. Das eigentliche Beben der Umfrage betrifft jedoch die Machtverhältnisse im Rathaus: Ohne einen dritten Partner im Boot wird das Regieren in Wien künftig unmöglich. Das politische Wien steuert auf einen heißen Herbst und komplexe Koalitionsverhandlungen zu.
Quelle“heute.at“
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