Die Diskussionen über lange Wartezeiten und spürbare Lücken in der medizinischen Versorgung begleiten das österreichische Gesundheitssystem seit Jahren.

Aktuelle Erhebungen der Österreichischen Gesundheitskasse zeichnen nun ein differenziertes Bild der Lage. Von den insgesamt rund 10.300 vorgesehenen Planstellen im Land sind derzeit mehr als 97 Prozent besetzt oder bereits fest gebunden. Dennoch verbleiben unbesetzte Praxen, die vor allem in bestimmten Regionen und medizinischen Fachbereichen Herausforderungen mit sich bringen.

Aktuelle Zahlen zur Versorgung

Mit Stichtag 1. August wies die Statistik österreichweit 94 unbesetzte Stellen im Bereich der Allgemeinmedizin aus, die weder vergeben noch reserviert waren. Im Segment der Fachärzte standen zeitgleich 92 Planstellen offen. Während die Abdeckung bei Allgemeinmedizinern vergleichsweise hoch bleibt, zeigt sich in spezialisierten Disziplinen ein variierendes Bild. In der Kieferorthopädie liegt der Besetzungsgrad bei 90 Prozent, während Haut- und Geschlechtskrankheiten eine Quote von 91 Prozent sowie die Frauenheilkunde 92 Prozent erreichen. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie verzeichnet zwar einen Besetzungsgrad von 96 Prozent, verfügt jedoch bundesweit über lediglich 53,5 Planstellen.

Große Lücke bei Zahnärzten

Deutlich ausgeprägter stellt sich der Engpass in der Zahnmedizin dar. Hier liegt der Besetzungsgrad österreichweit bei rund 91 Prozent, was insgesamt 242 unbesetzten Stellen entspricht. Auch regionale Unterschiede treten deutlich hervor. Bei den Fachärzten verzeichnet Tirol mit 6,5 Prozent offenen Stellen den höchsten anteiligen Bedarf. Im Bereich der Allgemeinmedizin weist das Burgenland mit einer Quote von vier Prozent unbesetzten Stellen die größte Lücke auf.

Position des Ministeriums

Gesundheitsministerin Korinna Schumann sieht die flächendeckende medizinische Versorgung im niedergelassenen Bereich trotz punktueller Engpässe und Wartezeiten grundsätzlich sichergestellt. In einer offiziellen Anfragebeantwortung an die FPÖ verwies die Ministerin auf das dichte Netz an Ärztinnen und Ärzten. Als Ursachen für bestehende Besetzungsschwierigkeiten nennt Korinna Schumann vor allem den fortschreitenden Generationenwechsel sowie gewandelte Prioritäten der jüngeren Medizinergeneration. Flexiblere Arbeitszeitmodelle, der Wunsch nach einer ausgewogenen Work-Life-Balance und mehr Zeit für Familie und Freizeit prägen zunehmend die Berufswahl. Um die Versorgung insbesondere in ländlichen Regionen langfristig abzusichern, setzt das Gesundheitsministerium verstärkt auf den Ausbau von Primärversorgungseinheiten.

Finanzieller Rahmen und Boni

Zur Stabilisierung des Systems wurden bereits 100 zusätzliche, vom Bund finanzierte Vertragsstellen in insgesamt acht Fachgebieten geschaffen. Für besonders schwer besetzbare Standorte kam in den Jahren 2023 und 2024 ein finanzieller Startbonus von bis zu 100.000 Euro zum Einsatz. Für die Jahre 2026 bis 2030 steht zudem der Gesundheitsreformfonds bereit, der ein jährliches Volumen von über 300 Millionen Euro umfasst. Davon sind allein 182 Millionen Euro pro Jahr für die Förderung von Primärversorgungszentren sowie weiteren kooperativen Versorgungsmodellen vorgesehen.

Strategische Ausbaupläne

Die Österreichische Gesundheitskasse kündigt vor diesem Hintergrund eine Erweiterung des ambulanten und niedergelassenen Angebots an. Geplant ist eine Aufstockung um rund 380 Sachleistungsstellen, was umgerechnet Vollzeitäquivalenten entspricht und ein Plus von etwa 3,7 Prozent bedeutet. Die Planung basiert auf den Regionalen Strukturplänen Gesundheit 2030, die Kriterien wie Bevölkerungsentwicklung, Versorgungsdichte, Erreichbarkeit und medizinischen Fortschritt berücksichtigen. Neben klassischen Einzelordinationen und Gruppenpraxen sieht das Konzept die Errichtung von 126 neuen Primärversorgungseinheiten und 37 fachärztlichen Zentren vor. Letztere sollen mit hoher Spezialisierung und erweiterten Öffnungszeiten eine gezielte Betreuung chronisch Kranker und spezifischer Patientengruppen gewährleisten.

Obwohl der Großteil der Kassenarztstellen in Österreich besetzt ist, bestehen in der Zahnmedizin sowie in einzelnen Fachdisziplinen und Regionen spürbare Lücken. Der geplante Ausbau von Primärversorgungszentren und Facharztzentren soll moderne Rahmenbedingungen schaffen, um sowohl den Bedürfnissen der Bevölkerung als auch den veränderten Ansprüchen der Ärzteschaft gerecht zu werden.

Quelle „heute.at“

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Von admin

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