Nach erfolglosen Gesprächen an den Wiener Schulen ist der Konflikt um das Kopftuchverbot in 55 Fällen an die Bildungsdirektion weitergeleitet worden.
Dort übernimmt nun ein eigenes Team des pädagogischen Dienstes die Anliegen, um gemeinsam mit den Eltern nach Lösungen zu suchen. Betroffen sind ausschließlich Schülerinnen, bei denen vorherige Klärungsversuche mit Lehrkräften und der Schulleitung zu keinem Ergebnis führten. Die ersten Gesprächstermine sind für Ende dieser Woche anberaumt.
Keine Grundsatzdebatten geplant
Die Bildungsdirektion stellte gegenüber der „Kronen Zeitung“ klar, dass es bei den anstehenden Terminen „explizit keine inhaltlichen Grundsatzdiskussionen“ geben werde. Ziel sei es vielmehr, den Eltern „ganz nüchtern“ die rechtlichen Vorgaben darzulegen und sie über die Konsequenzen etwaiger weiterer Verstöße zu informieren.
Behördenseitig wird derzeit nicht mit einem drastischen Anstieg der Fallzahlen gerechnet; man geht vorerst von einem gleichbleibenden Niveau aus.
Verwaltungsstrafe als letzte Konsequenz
Sollte auch das Einschreiten der Bildungsdirektion keine Einsicht bringen und weiterhin gegen das Verbot verstoßen werden, steht der nächste Schritt bevor. In diesem Fall sei das Bezirksamt am Zug, wie aus der Behörde verlautete. Damit endet der pädagogische Rahmen, und es kann ein Verwaltungsstrafverfahren eingeleitet werden.
Vielschichtige Beweggründe
Die Ursachen dafür, dass die Mädchen das Kopftuch trotz des Verbots tragen, lassen sich laut Bildungsdirektion nicht auf einen einzelnen Grund reduzieren. Die Motive seien sehr vielschichtig.
So gebe es Berichten zufolge auch ältere Schülerinnen, die sich selbst gegen ein Ablegen entscheiden, obwohl ihre Eltern sie dazu bewegen möchten. Die Bildungsdirektion warnt deshalb davor, in allen Fällen automatisch ein radikales Elternhaus zu vermuten. Welche konkreten Beweggründe im Einzelnen vorliegen, sollen die kommenden Termine zeigen.
Quelle: Bildungsdirektion / Kronen Zeitung
AustriaAktuell.at – Sachlich. Regional. Auf den Punkt.
