Österreich ringt um sein Budget. Während die Politik über Sparpakete und Kürzungen debattiert, bleibt eine sprudelnde Einnahmequelle nahezu unangetastet: der Grundbesitz.
Barbara Blaha, Leiterin des Momentum Instituts, weist auf eine massive Schieflage im heimischen Steuersystem hin. Während Arbeitnehmer und Konsumenten die Hauptlast tragen, dümpelt die Besteuerung von Grund und Boden auf einem historischen Tiefstand.
Ein Erbe aus den Siebzigern
Das Problem liegt im System begraben. Die aktuelle Grundsteuer bemisst sich in Österreich nach sogenannten Einheitswerten. Diese stammen größtenteils aus dem Jahr 1973. In den vergangenen fünf Jahrzehnten sind die Immobilien- und Bodenpreise jedoch massiv gestiegen. Da die Steuerbasis nicht an die realen Marktwerte angepasst wurde, verharrt die Abgabe auf einem symbolischen Niveau.
Österreich im internationalen Vergleich
Ein Blick über die Grenzen zeigt die Isolation der Alpenrepublik. Österreich belegt bei der Grundbesteuerung lediglich Platz 32 von 38 OECD-Staaten. Nur 0,2 Prozent der Wirtschaftsleistung werden hierzulande über diese Steuer eingenommen. Zum Vergleich: Im Vereinigten Königreich sind es 2,8 Prozent, der EU-Durchschnitt liegt bei 0,69 Prozent. Würde Österreich lediglich zum EU-Schnitt aufschließen, flössen jährlich rund 2,3 Milliarden Euro zusätzlich in die Staatskassen.
Großgrundbesitz fest in alter Hand
Die Debatte gewinnt an Brisanz, wenn man die Besitzverhältnisse betrachtet. Grund und Boden sind in Österreich extrem konzentriert. Namen wie Esterházy mit rund 40.000 Hektar oder Mayr-Melnhof-Saurau mit über 30.000 Hektar führen die Liste der privaten Landbesitzer an. Diese riesigen Flächen und die damit verbundenen Wertsteigerungen wurden über Generationen weitergereicht, leisten aber kaum einen Beitrag zur Finanzierung öffentlicher Aufgaben wie Schulen oder Infrastruktur.
Faire Lastenverteilung gefordert
Die Forderung nach einer modernen Grundsteuer ist somit nicht nur eine fiskalische Notwendigkeit, sondern eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Barbara Blaha betont, dass eine Reform die Gemeindefinanzen stabilisieren könnte. Ziel sei es, die Steuerstruktur endlich im 21. Jahrhundert ankommen zu lassen und jene stärker in die Pflicht zu nehmen, die über massives Immobilienvermögen verfügen, anstatt ausschließlich Arbeit und Konsum zu belasten.
Österreich verschenkt durch veraltete Bemessungsgrundlagen Milliarden. Eine Angleichung der Grundsteuer an internationale Standards könnte den nötigen Spielraum für Steuersenkungen auf Arbeit schaffen. Es ist an der Zeit, das Privileg des historisch unterbesteuerten Großgrundbesitzes zu überdenken und eine faire Basis für alle Bürger zu schaffen.
Quelle „momentum-institut.at“
Gerechtigkeit am Boden bedeutet Zukunft für alle.