Die Debatte um die europäische Energiestrategie verschärft sich. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen löste jüngst mit ihrer Forderung nach einer Renaissance der Kernkraft heftige Reaktionen aus.
In Wien stößt dieser Vorstoß auf geschlossenen Widerstand der Bundesregierung. Bundeskanzler Christian Stocker und Umweltminister Norbert Totschnig (beide ÖVP) stellten am Montag unmissverständlich klar, dass Österreich seinen Weg ohne Atomstrom fortsetzen wird.
Von der Leyen fordert Kurskorrektur
Die Kommissionspräsidentin bezeichnete den Atomausstieg einiger Mitgliedstaaten vor wenigen Tagen als Fehler. Ihr Ziel ist es, die Entwicklung neuer Reaktoren mit EU-Geldern massiv voranzutreiben. Dabei stehen vor allem kleinere, modulare Reaktoren im Fokus, die als klimafreundliche Brückentechnologie positioniert werden sollen.
Österreich pocht auf Volksentscheid
Für Bundeskanzler Christian Stocker ist die Diskussion auf nationaler Ebene längst beendet. Er verwies auf die historische Volksabstimmung, die das Fundament der österreichischen Anti-Atom-Politik bildet. Anstatt in riskante Technologien zu investieren, setzt die Regierung konsequent auf den Ausbau erneuerbarer Energien. Der Kanzler betonte, dass Österreich hierbei eine internationale Vorreiterrolle einnimmt und diesen Pfad als Vorbild für ganz Europa sieht.
Kritik an hohen Strompreisen
Trotz des hohen Anteils an grünem Strom kritisierte Stocker die aktuelle Preisgestaltung. Die günstigen Produktionskosten der Erneuerbaren müssten endlich spürbar bei den Bürgern ankommen. Er kündigte an, dieses Thema beim kommenden Europäischen Rat in Brüssel zur Priorität zu machen. Von der Leyen müsse konkrete Vorschläge liefern, um den Preisdruck in der Union effektiv zu mindern, anstatt einseitig auf Atomkraft zu setzen.
Sicherheitsrisiken im Fokus
Umweltminister Norbert Totschnig untermauerte die ablehnende Haltung mit Verweis auf die Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima. Die damit verbundenen Gefahren dürften niemals ignoriert werden. Totschnig stellte zudem die Forderung auf, dass für kleine Atomreaktoren dieselben strengen Sicherheitsauflagen gelten müssen wie für große Kernkraftwerke. Ein Aufweichen der Standards unter dem Deckmantel der Innovation dürfe es nicht geben.
Wasserkraft als Erfolgsmodell
Österreich setzt weiterhin auf seine Stärken in der nachhaltigen Energieerzeugung. Besonders die Wasserkraft gilt als Rückgrat der heimischen Versorgung. Der Umweltminister bezeichnete dies als rot-weiß-roten Erfolgsweg, von dem man sich nicht abbringen lassen werde. Die Strategie der Bundesregierung sieht vor, die Unabhängigkeit durch heimische Ressourcen zu stärken, anstatt auf teure und riskante Großprojekte im Atombereich zu setzen.
Die österreichische Bundesregierung bleibt ihrer Linie treu und erteilt den Atomplänen der EU-Kommission eine deutliche Absage. Kanzler Stocker und Minister Totschnig setzen auf Sicherheit und Erneuerbare statt auf Reaktoren. Beim kommenden Gipfel in Brüssel wird Österreich als klarer Gegner der von der Leyen-Initiative auftreten und stattdessen Lösungen gegen die hohen Energiekosten einfordern.
Quelle „heute.at“
Österreich unter Strom: Sicher, sauber, atomfrei.
