Die Digitalisierung der Steuerverwaltung in Österreich erreicht eine neue Stufe der Inklusivität. Seit Jänner 2026 ist es für Bürgerinnen und Bürger deutlich einfacher, Unterstützung bei der Arbeitnehmerveranlagung oder anderen steuerlichen Angelegenheiten zu erhalten.
Das Bundesministerium für Finanzen hat mit der „Unentgeltlichen Vertretung“ ein System geschaffen, das vor allem jenen hilft, die sich im digitalen Raum unsicher fühlen.
Digitale Barrieren abgebaut
Finanzminister Markus Marterbauer betont die soziale Komponente dieser Neuerung. Er erklärt, dass nicht alle Menschen den Umgang mit digitalen Portalen als einfach empfinden. Mit dem neuen Service schaffe man ein transparentes und sicheres System. Es sei jederzeit erkennbar, wer für wen tätig war. Zudem könne die Stellvertreterregelung von beiden Seiten ohne Angabe von Gründen widerrufen werden, was das Vertrauen in den Prozess stärke.
Unterstützung durch Vertrauenspersonen
Die Regelung sieht vor, dass natürliche Personen seit Beginn des Jahres 2026 eine volljährige Privatperson aus dem Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis mit der Vertretung beauftragen können. Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl hebt hervor, dass damit niemand zurückgelassen werde. Man nutze die Chancen der Digitalisierung, sorge aber gleichzeitig für eine menschliche Komponente im administrativen Ablauf.
Voraussetzungen für die Vertretung
Damit das System nicht missbraucht wird, gelten klare Rahmenbedingungen. Die Vertretung muss zwingend unentgeltlich erfolgen. Beide Parteien müssen volljährig sein. Eine Vertrauensperson darf maximal vier Personen gleichzeitig vertreten und muss über eine ID-Austria oder eine EU-eID verfügen. Eine wesentliche Einschränkung gibt es bei der Einkunftsart: Der Vertretene darf ausschließlich Einkünfte aus unselbstständiger Arbeit oder eine Pension beziehen.
Anmeldung ohne eigenen Online-Zugang
Ein entscheidender Vorteil des neuen Systems ist die einfache Handhabung für Menschen ohne Internet-Erfahrung. Der oder die Vertretene benötigt selbst keine ID-Austria. Die Anmeldung erfolgt über das Formular „FONUV1“, welches online auf der Website des Ministeriums oder direkt beim Finanzamt erhältlich ist. Die Vertrauensperson lädt das unterschriebene Dokument einfach im eigenen FinanzOnline-Bereich unter dem Punkt „Vertretungsbeziehung verwalten“ hoch.
Umfang der Befugnisse
Sobald die Prüfung durch die Behörde abgeschlossen ist, kann die Vertretung aktiv werden. In FinanzOnline können dann Steuererklärungen eingereicht, Ratenzahlungen beantragt oder Guthabenrückerstattungen angefordert werden. Alle Aktionen werden systemseitig klar als Vertretungshandlung markiert. Wichtig zu wissen: Eine Zustellvollmacht ist nicht automatisch enthalten. Amtliche Bescheide gehen weiterhin direkt an den Vertretenen, können aber von der Vertretung digital eingesehen werden.
Kontrolle und Sicherheit
Die volle Kontrolle bleibt stets beim Bürger. Die Vollmacht kann jederzeit befristet oder unbefristet erteilt und ebenso schnell wieder entzogen werden. Dies ist sowohl postalisch als auch direkt über das Portal möglich. Wer dennoch lieber den klassischen Weg geht, kann beruhigt sein: Die physische Abgabe von Formularen in Papierform bleibt als Option weiterhin bestehen.
Erfolgsprojekt der Verwaltung
Mit über 6,7 Millionen Nutzern gilt FinanzOnline als das Flaggschiff des österreichischen E-Governments. Das Portal steht rund um die Uhr kostenlos zur Verfügung. Mit der neuen Vertretungsregelung wird sichergestellt, dass die hohe Reichweite des Dienstes auch jene Bevölkerungsgruppen erreicht, die bisher auf externe, oft kostenpflichtige Hilfe angewiesen waren oder ihre steuerlichen Vorteile mangels technischem Zugang nicht voll ausgeschöpft haben.
Die Einführung der unentgeltlichen Vertretung in FinanzOnline ist ein wichtiger Schritt für mehr Steuergerechtigkeit in Österreich. Sie kombiniert moderne digitale Verwaltung mit dem notwendigen zwischenmenschlichen Vertrauen. Damit wird die Hürde für die Arbeitnehmerveranlagung massiv gesenkt, ohne die Sicherheit des Systems zu gefährden.
Quelle „heute.at“
Österreich digital – aber mit Herz und Hand.