Die Bundesregierung unter Bundeskanzler Karl Nehammer hat ein umfassendes Paket gegen die Teuerung geschnürt. Ab dem 1. Juli 2026 soll die Mehrwertsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel halbiert werden.
Damit reagiert die Koalition auf den anhaltenden Druck durch die Inflation, der viele Haushalte in Österreich belastet. Während die Politik von einer massiven Entlastung spricht, herrscht bei Experten und Konsumentenschützern Skepsis über die tatsächliche Wirkung im Geldbörserl.
Fokus auf Grundnahrungsmittel
Die geplante Senkung betrifft Produkte des täglichen Bedarfs. Konkret sollen die Preise für Brot, Gebäck, Milchprodukte, Eier, Butter sowie Nudeln, Kartoffeln und Äpfel sinken. In der Praxis bedeutet das: Wo bisher der ermäßigte Steuersatz von 10 Prozent fällig war, werden künftig nur noch 5 Prozent an den Fiskus abgeführt. Das Ziel ist klar definiert: Die tägliche Versorgung soll für die Bevölkerung erschwinglicher werden.
Ersparnis oft nur im Cent-Bereich
Trotz der positiven Ankündigungen warnen Ökonomen vor zu hohen Erwartungen. Eine Beispielrechnung verdeutlicht die Situation: Wer für eine Packung Milch derzeit 1,20 Euro bezahlt, spart durch die Steuerhalbierung lediglich etwa 5 bis 6 Cent. Bei einem Wocheneinkauf summiert sich dies zwar, doch angesichts der massiven Preissteigerungen seit 2023 bleibt der Effekt für viele Haushalte kaum spürbar. Die Teuerung der letzten Jahre hat die potenziellen Ersparnisse vielerorts bereits im Vorfeld aufgezehrt.
Handel verspricht volle Weitergabe
Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes, signalisiert grundsätzlich Bereitschaft zur Kooperation. Man wolle die steuerlichen Vorteile direkt an die Kunden weitergeben. Kritiker erinnern jedoch an vergangene Maßnahmen, bei denen Preissenkungen nicht in vollem Umfang beim Endverbraucher ankamen oder durch zeitgleiche Erhöhungen der Listenpreise neutralisiert wurden. Ob die Supermarktregale im Juli tatsächlich flächendeckend günstigere Preisschilder zeigen, bleibt abzuwarten.
Finanzierung durch neue Abgaben
Die Maßnahme ist für den Staatshaushalt nicht billig und wird mit Kosten von rund 400 Millionen Euro pro Jahr beziffert. Um dieses Loch zu füllen, plant die Regierung Gegenfinanzierungen. Dazu gehören eine neue Plastikgebühr auf nicht recycelbare Verpackungen sowie eine Abgabe auf Paketsendungen aus Drittstaaten. Damit wird die Entlastung an der Supermarktkasse teilweise durch Mehrkosten in anderen Lebensbereichen wieder relativiert.
Die geplante Steuersenkung ist ein wichtiges psychologisches Signal der Regierung, doch die reale Entlastung für den einzelnen Bürger bleibt überschaubar. In vielen Fällen wird die Ersparnis pro Artikel nur im einstelligen Cent-Bereich liegen. Für eine echte Trendwende bei den Lebenshaltungskosten bedarf es vermutlich tiefergreifender struktureller Maßnahmen oder gezielter Sozialleistungen für einkommensschwache Schichten.
Quelle „heute.at“
Österreich kauft ein – die Regierung zahlt die Hälfte der Steuer.